Wirtschaften verlangt Resilienz

Welchen Beitrag die Digitalisierung dabei leisten kann.

Organisationen brauchen Resilienz, um systemischen Diskontinuitäten widerstehen und sich an neue Risikoumgebungen anpassen zu können. Auf dem Weg dorthin ist – trotz zahlreicher Herausforderungen – die digitale Transformation der zentrale Wegbereiter.

Von Iris Plöger

Im Homeoffice, beim Homeschooling oder virtuellen Dinner mit Freunden – in der Corona-Pandemie sind Video-Conferencing-Systeme zu unseren treuen Begleitern geworden. Gleichzeitig gab es in Deutschland viele Diskussionen darüber, ob aus datenschutzrechtlichen Erwägungen auf den Einsatz dieser Lösungen nicht verzichtet werden müsse, da US-amerikanische Anbieter aufgrund des US Cloud Acts zum Teilen der Daten mit staatlichen Sicherheitsbehörden in den USA verpflichtet seien. Vor diesem Hintergrund haben nahezu reflexartig Politik, Medi- en und Gesellschaft immer wieder gefordert, dass Deutschland auch in einer globalen Krise nicht von Produkten – verstanden sowohl als Hard- wie Software – aus China, Indien oder den USA abhängig sein dürfe.

Klarer Zielkompass

Doch wenn jetzt Rufe nach einer Stärkung der Resilienz und technologischen Souveränität laut werden, sollten wir in Europa zunächst einen klaren Zielkompass definieren, bevor wir planlos wenig erfolgversprechende Initiativen initiieren und in Trippelschritten umsetzen. Angesichts milliardenschwerer FuE-Budgets globaler Techfirmen können wir in Europa nur dann auf wirtschaftlichem Erfolgskurs bleiben, wenn wir jede – manchmal vielleicht eher ambitionierte als per se erfolgversprechende – Initiative mit Tempo und Agilität antreten. Dazu gehört auch die frühzeitige Klärung, wie unterschiedliche Akteure zu diesem Zielhorizont bestmöglich beitragen können. Fest steht: Resilienz durch Autarkie und Protektionismus wäre ein Irrweg!

Systemischen Diskontinuitäten widerstehen

Resiliente Organisationen – das gilt für staatliche Institutionen wie Unternehmen gleichermaßen – müssen die Fähigkeit besitzen, systemischen Diskontinuitäten zu widerstehen und sich an neue Risikoumgebungen anzupassen. Die digitale Transformation stellt Unternehmen vor zahlreiche Herausforderungen; doch zugleich ist sie auf dem Pfad zur Stärkung der Resilienz eines Unternehmens der zentrale Wegbereiter. So hat die Corona-Pandemie den Blick der Unternehmen auf die Digitalisierung stark verändert. Gut ein Jahr nach dem ersten Lockdown zweifeln laut einer Umfrage des Branchenverbandes Bitkom nur noch 12 Prozent aller Unternehmen am wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung für ihr Unternehmen. Vor zwei Jahren war der Nutzen digitaler Lösungen noch 34 Prozent unklar.

Auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können ohne große finanzielle Ressourcen die Potenziale der digitalen Transformation ausschöpfen. In Deutschland entwickelt sich aktuell einflorierendes Plattformökosystem im Business-to-Business-Segment. Mit diesen Plattformen leisten deutsche Unternehmen – vom Start-up über KMU bis hin zu multinationalen Konzernen – einen wertvollen Beitrag zur Implementierung von Industrie 4.0. So ermöglichen Industrial-Internet-of-Things-Plattformen und Datenmarktplätze KI-gestützt die kosteneffiziente digitale Transformation von Geschäftsprozessen in der produzierenden Industrie. Beispiele sind Condition Monitoring sowie das darauf aufbauende Predictive Maintenance.

Nutzen generieren

Damit digitale B2B-Plattformen im Unternehmen den gewünschten Nutzen generieren, bedarf es einer Strategie, die der Entwicklung, respektive dem Einsatz solcher Plattformen vorgeschaltet ist. Andernfalls sind Plattformen nur ein x-beliebiges weiteres Digitaltool, das nicht konsequent und verbindlich genug zum Einsatz kommt. Doch wenn der Einsatz strategisch erfolgt, können über 40 Prozent der Kosten im Einkauf dank digitaler B2B-Marktplätze gespart oder die Instandhaltungskosten bei Maschinen und Anlagen mittels Industrial-Internet-of-Things-Plattformen um 20 bis 30 Prozent gesenkt werden. Diese Fixkostenreduktionen wirken sich positiv auf die Zukunftsfähigkeit des eigenen Unternehmens aus.

Digitale Lösungen können Unternehmen unterstützen, ein höheres Maß an Resilienz gegen externe Schocks zu erlangen. Aufbauend auf der industriellen Kompetenz haben wir die Möglichkeit, auch zukünftig eine gewichtige Rolle weltweit zu spielen. Doch dafür müssen deutsche Unternehmen bereit sein, den sich wandelnden globalen Rahmenbedingungen mit der notwendigen Anpassungsfähigkeit entgegenzutreten; und muss der deutsche Gesetzgeber zugleich ein verlässliches und innovationsfreundliches Wettbewerbsumfeld in Deutschland schaffen.

In der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) verantwortet Iris Plöger die Themenfelder Digitalisierung, Innovation, Gesundheitswirtschaft, Recht, Wettbewerb und Verbraucherpolitik.



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