Die BKU-Diözesangruppe Bonn diskutierte mit Dr. Jonas Goehl in der Galerie Andreae über Arbeit, Zusammenhalt und gesellschaftliche Verantwortung.
Bonn-Bad Godesberg. Arbeit ist mehr als Broterwerb, Produktivität und wirtschaftlicher Erfolg. Sie kann Menschen verbinden, Würde erfahrbar machen, Selbstwirksamkeit stärken und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördern. Unter diesem Leitmotiv stand der Kaminabend der BKU-Diözesangruppe Bonn am 11. Juni 2026 in der Galerie Andreae in Bonn-Bad Godesberg. Zu Gast war Dr. Jonas Goehl, Referent für ökologische und soziale Fragen im Bereich Kirche und Gesellschaft des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz sowie Geschäftsführer der Arbeitsgruppe, die das Impulspapier „Die versöhnende Kraft der Arbeit“ erarbeitet hat.
Zu Beginn begrüßte der Vorsitzende der BKU-Diözesangruppe Bonn, Dr. Rüdiger von Stengel, die Mitglieder, Gäste und Interessierten. Er dankte Judith Andreae für die Gastfreundschaft und hob hervor, dass eine Galerie ein besonders geeigneter Ort sei, um über Arbeit, Menschsein und gesellschaftliche Verantwortung ins Gespräch zu kommen. Kunst eröffne neue Perspektiven, lade zum Dialog ein und mache sichtbar, was im Alltag leicht übersehen werde. Genau darum geht es auch bei der Frage nach der Zukunft der Arbeit.
Judith Andreae hieß die Gäste anschließend in ihrer Galerie willkommen und gab einen Einblick in die Geschichte und das Profil des Hauses. Die Galerie Andreae steht für zeitgenössische Kunst und einen lebendigen Dialog zwischen künstlerischen Positionen, gesellschaftlichen Fragen und dem Publikum. Damit bildeten die Räume einen inspirierenden Rahmen für einen Abend, der wirtschaftliche, ethische, soziale und kulturelle Perspektiven miteinander verband.
Vor dem Vortrag führte Judith Andreae die Teilnehmenden kurz durch die aktuellen Ausstellungen. In der Ausstellung „Sommersprossen“ des Wiener Malers Max Freund begegneten die Gäste einer farbintensiven, erzählerischen und zugleich offenen Bildwelt. Die Arbeiten sind inspiriert von der Begegnung mit einer „Antiheldin“: Pippi Langstrumpf. In dieser Figur verbinden sich Unangepasstheit, Freiheit, Widerständigkeit und spielerische Stärke. So entstand ein überraschender Übergang zum Thema des Abends: Auch Arbeit braucht Räume, in denen Menschen nicht auf Funktion, Leistung und Anpassung reduziert werden, sondern ihre Eigenständigkeit und schöpferische Kraft entfalten können.
Eine weitere Führung widmete sich der Ausstellung „Ostrakon Stories“ von Tiziana Jill Beck. Der Begriff „Ostrakon“ bezeichnet eine Tonscherbe, die in der Antike als Träger kurzer Botschaften, Notizen oder Abstimmungsergebnisse diente. Die Ausstellung öffnete damit einen Resonanzraum für Fragen nach Erinnerung, Fragment, Sprache und Bedeutung. Auch hier ergab sich ein Bezug zum Thema des Kaminabends: Gesellschaftlicher Zusammenhalt entsteht nicht abstrakt, sondern aus vielen einzelnen Stimmen, Erfahrungen und Begegnungen, die gehört, gedeutet und miteinander ins Gespräch gebracht werden müssen.
Nach einem Imbiss und lebendigen Tischgesprächen führte Dr. Jonas Goehl in das Impulspapier „Die versöhnende Kraft der Arbeit“ ein. Er erläuterte dessen Entstehung als Ergebnis der Arbeit einer Arbeitsgruppe der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der Deutschen Bischofskonferenz. An der Erarbeitung waren Bischöfe, Theologen sowie Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen beteiligt. Ziel des Textes sei es, in sieben prägnanten Thesen einen konstruktiven Beitrag zur aktuellen Debatte über die Zukunft der Arbeit zu leisten.
Dr. Goehl machte deutlich, dass das Papier bewusst positiv und wertschätzend formuliert ist. Es beschreibt Arbeit nicht nur als ökonomische Notwendigkeit, sondern auch als Ort menschlicher Entfaltung, sozialer Integration, demokratischer Teilhabe und gemeinsamer Verantwortung. Gerade in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen durch Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel, demografischen Wandel, ökologische Transformation und wachsende gesellschaftliche Spannungen sei es wichtig, die soziale und ethische Bedeutung von Arbeit neu in den Blick zu nehmen.