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Die DG Berlin im Diözesanrat

Stralsund – ein guter Ort für eine Reha der Kirche

Vollversammlung des Diözesanrates im Erzbistum Berlin am 17. und 18. April 2026

Sonst immer in Berlin und jetzt mitten in Vorpommern.

Was kann man als Berliner Katholik in der Hansestadt Stralsund lernen?

Wieso lernen?? Gibt es tatsächlich noch etwas für Berliner zu lernen???

Lernen ist vielleicht das verkehrte Wort. Aber in der alt-ehrwürdigen Hansestadt mit 54.000 Einwohnern gab und gibt es Inspiration:

  • Eine saubere Stadt, die komplett durchrenoviert ist.
  • Leute, die einen nicht zuquatschen, sondern wortkarg herzlich sind.
  • Eine Wirtschaft, die sich für den Strukturwandel Zeit nehmen musste – und auf einem guten Weg ist.

Nach unserer Ankunft mit dem Auto, haben Norman und ich es geschafft, im Schatten einer (evangelischen) Kulturkirche das Auto zu parken. (Auf den Straßen gibt es ungefähr genauso wenige Parkplätze wie Katholiken  – das nächste Mal besser mit der Bahn.)

Wir liefen durch die Altstadt, genossen Ruhe, hanseatische Geschichte, Sauberkeit, Gastlichkeit und Möwengeschrei im Hintergrund.

Abends gab es einen Empfang im Rathaus am Alten Markt.

Begrüßung aller Bekannten und Kollegen aus dem Diözesanrat (Überraschend trafen wir auch Elzbieta Haase-Nowocien, die jetzt im Diözesanrat die Muttersprachlichen Gemeinden vertritt: Der BKU ist überall und für viele aktiv!).

Es gab eine inspirierende Gesprächsrunde mit dem Oberbürgermeister von Stralsund, dem Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, der Geschäftsführerin der Störtebeker Festspiele auf Rügen und der Gründerin der Lazarus-Dienste Stralsund, ein weitgehend ehrenamtliches Sozialberatungsnetzwerk, das sich an der katholischen Gemeinde in Stralsund gegründet hat. (Hier ist ein bürgerschaftliches und soziales Engagement der Gemeinde ein echtes Erfolgsrezept für die Vernetzung der Gemeinde in ein (noch) nicht christliches Umfeld.)  Die Themen des Abends waren nicht Problemhypnosen, sondern die Suchen nach Lösungen. Sehr inspirierend!

Probleme haben wir auch in Berlin – Mut machen die (Problem-)Lösungen aus Vorpommern.

Es ist fast schon verwunderlich. Die Initiativen für die Lösungen gab es immer vor Ort: Subsidiarität im besten Sinne (vgl. Katholische Soziallehre). Wenn „unten“ konkret begonnen wird, macht es auch „denen da oben“ Freude zu fördern…

Mit den Inspirationen der Gesprächsrunde, dem guten Buffet und den Getränken in geselliger Runde klang der Abend wunderbar aus.

Am Samstagmorgen gestärkt durch ein gutes Frühstück gingen wir zum Heiligen Messe in die katholische Dreifaltigkeitskirche in Stralsund. Direkt im Anschluss fand in der Kirche noch die Übergabe des diesjährigen Dreikönigs-Integrationspreises des Diözesanrates an das Sprachteam aus Greifswald statt. Diese (ehrenamtliche) Initiative fördert den Spracherwerb und die Integration geflüchteter Migranten in Greifswald.

Nach der Preisübergabe gingen wir zu Fuß zum Ozeaneum am Hafen (direkt neben dem ehemaligen Segelschulschiff der Bundeswehr Gorch Fock). Dort begann die eigentliche Vollversammlung des Diözesanrates.

Es standen im Wesentlichen Berichte aus den verschiedenen Gremien des Erzbistums auf dem Programm. Besonders fasziniert fand ich, dass der neue Synodalpastoralrat des Erzbistums Berlin im März 2026 einen Beschluss gefasst hat, mit dem die Bistumsleitung aufgefordert wird, bis zum Bistumsjubiläum 2030 die Evangelisierung auf allen Ebenen des Bistums als vorrangige Aufgabe der Kirche zu erkennen, anzunehmen und zu erfüllen:  vgl. https://www.erzbistumberlin.de/fileadmin/user_mount/PDF-Dateien/Erzbistum/Beschluss_4PV_SPR_20260314.pdf

Halleluja! Da lohnt es doch mitzumachen!!

Nach dem Mittagessen widmeten wir uns noch sehr intensiv dem Thema Migration.

Pater Retschke SJ vom Jesuiten-Flüchtlingsdienst (JRS) Berlin führte uns in das Thema „Migration aus biblischer Perspektive“ ein: Die jüdisch-christliche Geschichte ist immer auch eine Geschichte von Flucht, Vertreibung und Migration gewesen.

Anschließend gab es eine Gesprächsrunde mit syrischen und irakischen Flüchtlingen aus Greifswald, der Integrationsbeauftragten des Landes Mecklenburg-Vorpommern und dem Oberbürgermeister der Hansestadt Greifswald.

Diese Gesprächsrunde machte den Erfolg zivilgesellschaftlicher Initiativen bei der Integration der Migranten deutlich und räumte auch ein Stück weit mit den Vorurteilen zur „Fremdenfeindlichkeit im Osten“ auf. Die befragten Migranten berichteten nicht von erlebten Übergriffen aus der deutschen Gesellschaft, sondern besonders aus dem migrantischen Milieu selbst.
Das war für viele Zuhörer ein neuer Aspekt.

Nach dem Ende der Vollversammlung und der Verabschiedung „tauchte“ ein großer Teil der Teilnehmenden in die Ausstellungsräume des Ozeaneums „ab“. Norman, Elzbieta und ich fuhren allerdings direkt mit Normans Wagen wieder zurück nach Berlin. Und wie soll es auch anders sein: Auf der Fahrt wurde zwar das Benzin weniger, aber unsere Gesprächsthemen nicht.

Wir haben nun eine Menge Inspirationen und Freude, die wir nun in den „Berliner Alltag“ tragen können. Das Wochenende war so aufbauend wie eine Reha.

„M-V tut gut!“

 

Text: Dr. Jörg Höwer | Bilder: Norman Gebauer