Der BKU kann Zuhören, veranstaltet lebhafte Diskussionen und setzt Akzente! Auf dem Wertefundament der katholischen Soziallehre mit dem christlichen Menschen- und Weltbild können Diagnosen besprochen und Visionen entwickelt werden, mit denen man nicht zum Arzt gehen muss, sondern mit denen man wirklich weiterkommen kann.
Nach den ersten Gremiensitzungen trafen sich am Abend des 1. Oktober 2026 die meisten Teilnehmenden beim Get together in der „Brasserie Stadthaus“ im Zentrum von Düsseldorf. Es war ein geselliges Treffen der BKU-Großfamilie. An jedem Tisch gab es lebhafte Unterhaltungen, die alle getragen waren von der Freude, sich wiederzusehen und auch neue Bekanntschaften zu schließen.
Der Abend war eine sehr gute Grundlage für die Delegiertenversammlung und den ersten Teil der Bundestagung. Am Morgen danach in der Kapelle am Lambertushaus – sehr zentral und unmittelbar am Rhein, der in Folge den vergangenen trockenen Monaten doch erschreckend „schlank“ geworden war – konnten wir erst einmal die innere Einkehr üben: ein guter Ausgangspunkt für eine engagierte Delegiertenversammlung, die eine umfangreiche Tagesordnung hatte. Dank der straffen und zügigen Versammlungsleitung durch unseren neuen Geschäftsführer David Dekorsi uferten die Diskussionen nicht aus, sondern wurden so schlank gehalten wie der „Vater“ Rhein. Alle Argumente konnten dennoch ausgetauscht werden. So wurden nicht Diskussionen, sondern Ergebnisse produziert.
Am Ende waren alle froh, dass die Tagesordnung vollständig abgearbeitet wurde und es trotzdem noch genügend Zeit gab zum Mittagessen im benachbarten Brauhaus „Im Goldenen Ring“.
Die so gut gesättigte „Ring-Gemeinschaft“ konnte sich nach dem Grußwort des Oberbürgermeisters von Düsseldorf, Dr. Stephan Keller, an die Arbeit machen und Deutschland neu erfinden.
Erfinden ist nicht einfach, sondern in der aller Regel ein anstrengender, arbeitsreicher, aber auch genialer Prozess. Genau das war auch diese Bundestagung.
Prof. Dr. Michael Hüther (Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln) proklamierte in seiner Eröffnungskeynote zum Thema „Deutschland 2035“: -„Wie wir wieder Wachstum schaffen.“
Mit diesem Input ging es in medias res. Da jegliche Veränderung von den Menschen und für die Menschen sein sollte, ging es in dem ersten Panel um „Die nächste Generation im Arbeitsmarkt: Warum junge Talente anders ticken und was Unternehmer jetzt wissen müssen“.
Dieses Panel war kein Zukunftsentwurf, sondern „einfach“ eine Beschreibung dessen, was ist. Der Mensch in seinem Wesen ändert sich nicht wirklich. Aber in einer Zeit, in der sich die Rahmenbedingungen durch Digitalisierung, Polarisierung und zunehmende Unsicherheiten stark verändern, reagieren die Menschen unterschiedlicher Generationen anders und das sollte man wissen, bevor man etwas neu erfindet.
Angesichts dieses Inputs „verdunstete“ fast die Kaffeepause und es ging weiter mit dem Thema Resilienz (Krisenfestigkeit) als Führungsaufgabe.
Einerseits wird die offensive Nutzung der neuen Möglichkeiten (z.B. der Künstlichen Intelligenz) immer wichtiger und dennoch geht es bei der Führung nicht um technikgetriebenen „Automatismus“, sondern um werteorientierte Gestaltung. Der Mensch bleibt im Mittelpunkt und Gott der Urgrund und Lenker der Welt. Ohne Glauben schwinden auch heute Hoffnung und Liebe. Eine (gefühlte) „Sackgasse“ ist kein Ort für gute Innovationen. Das weiß jede Unternehmerin und jeder Unternehmer.
Ein guter Weg aus der Sackgasse ist die Kenntnis aller Möglichkeiten. So war der Vortrag über die Künstliche Intelligenz in der Praxis von Luca Samlidis (Gründer und CEO von NextGen AI) folgerichtig.
Direkt danach gab es in der Eucharistiefeier zur Feier des Schutzengelfestes am 2. Oktober in der Kirche St. Maximilian eine demütige Einordnung aus dem katholischen Glauben. In guter Hoffnung können sich Liebe und Zuversicht entfalten. Den Fehler „Gott aus der Weltengleichung heraus zu kürzen“ haben in der Geschichte schon zu viele gemacht oder versucht.
Nach dieser sakramentalen Bestätigung, dass wir auch weiterhin in Gottes Hand sind, sind wir nicht der „deutschen Schwäche“ erlegen, uns in grundsätzlichen Diskussionen über „Gott und die Welt und die Zukunft und, und, und“ zu ergehen und zu stranden, sondern wir genossen einfach den Abend mit gutem Essen, Wein, Altbier und Geselligkeit in froher Runde und in den inspirierenden Räumlichkeiten eines ehemaligen Klosters. Wunderbar! Die Zeit flog dahin.
So wurden unsere Gemüter beruhigt: Begegnung ist immer gut, sich und seine Verankerung zu spüren.
Der zweite Tag der Bundestagung war der Tag der Deutschen Einheit, der 3. Oktober. Auch hier lohnte sich der Morgenimpuls in der Kapelle, nicht nur, um wach zu werden, sondern auch, um einen guten Einstieg in den Tag zu finden.
In einem Impuls vom Herrn Erzbischof Anthony Muheria aus Kenia wurde die internationale Verortung des BKU mit Hilfe der Stiftung AFOS deutlich. Das half auch das Eigene in das Große und Ganze einzuordnen, bevor es mit Caroline Bosbach (CDU-MdB) und dem Landesminister Nathanael Liminski (CDU-MdL) sehr tagespolitisch wurde. Bei beiden gab es eine recht konkrete Beschreibung der aktuellen Probleme und des Handlungsbedarfes, denen sofort zugestimmt werden konnte. Allerdings blieb am Ende (oft auch erst im Nachklang) die schon fast irritierende Feststellung, dass beide keine Oppositionspolitiker, sondern höchstselbst gestaltende Regierungspolitiker sind, die für Lösungen und nicht nur Problembeschreibungen zuständig und verantwortlich sind.
Das erste Panel des zweiten Tages mit dem Thema „Steuern, Vermögen, Unternehmertum“ warf aus verschiedenen Perspektiven nicht nur Fragen nach der Steuergerechtigkeit und nach den Lenkungs- und Anreizmöglichkeiten von Steuern auf, sondern auch die Fragen nach der Bürokratie: Die Zweifel an dem Aufwand und dem Nutzen mancher Steuern wurde z.B. von dem Präsidenten des Bundes der Steuerzahler, Reiner Holznagel, engagiert vorgetragen. Interessant waren auch die Gemeinsamkeiten in den Ansichten von jungen Unternehmern und eines Politikers der Grünen auf dem Podium.
Die demographische Entwicklung ist ein großes Problem, das unsere Gesellschaft herausfordert. Das weiß mittlerweile jede und jeder. Die bürokratische Entwicklung ist dagegen mittlerweile eine „Normalität“, die jegliche Innovation lahmlegt und desaströse Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft in eine greifbare Nähe rückt. Eigentlich könnte hier jeder Bürger helfen, der etwas unternimmt und sich selbständig macht. Aber die Last von Steuern, Abgaben und die verschiedensten Auflagen, Regulationen und Kontrollmechanismen von einer beachtlichen Zahl von Ämtern, die alles absichern und jedem Lebensrisiko begegnen wollen, sichern zunehmend nur den Stillstand.
Nach diesem Panel brauchte ich erstmal eine Mischung von Kaffee, Unterhaltung und Bewegung.
Aber die Pause war nur kurz. Das nächste Panel mit der Fragestellung „Ist die Energiewende gescheitert?“ folgte. Bei diesem Panel gab es eine Vielzahl von Informationen zu dem Thema, die jeder auf dem Podium zur Darstellung seines Standpunktes nutzte. Bei allen vorgetragenen Chancen und Risiken konnte ich am Ende nur Teilaspekte herausgreifen und für mich behalten. Die Frage, ob die Energiewende gescheitert ist, würde ich jetzt mit einem klaren „Es kommt darauf an…“ beantworten.
Zum Ende der Bundestagung gab es noch einen kurzen Bericht aus der Arbeit des Arbeitskreises Unternehmensnachfolge.
Vor der Verabschiedung wurde bekannt gegeben, dass die nächste Bundestagung 2027 in Berlin stattfinden wird. Klasse! Ich freue mich darauf.
Nach der Bundestagung gab es wiederum ein Mittagessen im Brauhaus „Im Goldenen Ring“. In den Tischgesprächen wurde vieles weiterdiskutiert, aber es kam auch das Gefühl auf, nun am Ende eines Marathons angelangt zu sein.
Und wurde jetzt in diesen beiden Tagen Deutschland neu erfunden?
Natürlich nicht! Deutschland wurde selbst am „Tag der Deutschen Einheit“ nicht neu erfunden.
In Düsseldorf wird immer noch Altbier getrunken und der „Vater“ Rhein fließt auch weiterhin in seinem Bett, ob schlank oder nicht.
Die Bundestagung hat sehr erfolgreich viele Informationen, viele Kontakte, viele Begegnungen und jede Menge Inspiration und Anregungen ermöglicht und generiert. All das wird nun von den Unternehmerinnen und Unternehmern im BKU ausgewertet und nutzbar gemacht. Dies trägt dazu bei, dass sich Deutschland weiterentwickelt.
Ich bin sehr dankbar für diese Bundestagung. Es war sehr schön, sehr viel und auch recht anstrengend. Erholung gab es dann noch am Nachmittag bei einem touristischen Programm bzw. bei Kaffee oder Altbier im spätsommerlichen Düsseldorf.
So konnten jede und jeder für sich die Frage beantworten „Warum ist es am Rhein so schön?“ …
Text: Dr. Jörg W. Höwer | Bilder: Norman Gebauer