Professor Dr. Ingo Husmann (Mitglied des BKU DG Hamburg), der wirtschaftswissenschaftliche mit theologischer Bildung verbindet, stellte in seinem Vortrag die These auf, dass die katholische Soziallehre den Unternehmer im eigentlichen Sinne weitgehend übersieht. Von Leo XIII. (Rerum Novarum) bis zu Franziskus und Leo XIV. wurde der Unternehmer vor allem als Arbeitgeber mit sozialer Pflichtethik betrachtet – der Fokus lag auf Gerechtigkeit gegenüber den Arbeitnehmern, nicht auf unternehmerischen Tugenden. Einzig Johannes Paul II. würdigte auch tugendethische Qualitäten wie Mut und Verantwortungsbereitschaft.
Husmann verwies auf die scholastische Tradition, insbesondere Thomas von Aquin, dessen Tugend der „Magnifizienz“ unternehmerisches Handeln als mutige, gemeinwohlorientierte Investition beschrieb. Dieses positive Bild sei später verloren gegangen – bedingt durch den Fokus der Soziallehre auf Arbeitnehmerschutz, antikapitalistische Strömungen sowie eine kulturelle Geringschätzung wirtschaftlicher Tätigkeit in der Theologie.
Anhand der fünf Dimensionen unternehmerischer Orientierung (Innovativität, Proaktivität, Autonomie, Wettbewerbsaggressivität, Risikoeignung) zeigte er, dass das kirchliche Umfeld in Deutschland – dynamisch, heterogen, kompetitiv und weiterhin ressourcenreich – eine stärkere unternehmerische Kultur nahelegt. Eine rein pflicht-ethische Einhegung bzw. Einfriedung reiche nicht aus.
In der Diskussion ging es um den schleichenden Verlust des Unternehmerbildes seit der Scholastik, den Einfluss deutscher Sozialethiker wie Oswald von Nell-Breuning, das Gleichnis von den Talenten sowie den Vergleich mit evangelikalen und pfingstkirchlichen Gemeinden, die durch stärkere unternehmerische Orientierung Wachstum erzielen. Husmann plädierte abschließend für eine Wiederbelebung der tugendethischen Würdigung des Unternehmertums.
Heinrich von Wulfen