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Leadership-Qualität, Vision und Wille zur Extrameile – Fußball-Manager Jochen A. Rotthaus im BKU-Abendgespräch

Am Vorabend des Auftakts zur Fußball-Weltmeisterschaft hat Jochen A. Rotthaus, der als Geschäftsführer der TSG Hoffenheim und des VfB Stuttgart sowie als Mitglied der Geschäftsführung bei Bayer 04 Leverkusen den deutschen Profifußball mitgeprägt hat, im BKU-Abendgespräch über die Erfolgsfaktoren von Spitzenteams gesprochen.

Dabei zog er deutliche Parallelen zur Unternehmensführung. Hochleistung sei ohne ausreichendes Kapital nicht zu erreichen, so Rotthaus: „Sie können ein gutes Orchester aufbauen, aber den Dirigenten nicht bezahlen.“ Vereine mit hohen Schuldenständen zeigten, wie eng finanzieller und sportlicher Erfolg miteinander verknüpft seien.

Geld allein reiche jedoch nicht aus. Entscheidend sei ein anderer Faktor: „Zu neunzig, Prozent ist es ein Thema der Leadership-Qualität“, so Rotthaus mit Blick auf 20 Jahre Bundesliga-Geschichte. Nicht das Budget allein entscheide darüber, welche Clubs dauerhaft erfolgreich seien, sondern die Qualität der Führung.

An seiner Zeit bei der TSG Hoffenheim machte Rotthaus dies konkret fest: Top ausgebildete Spieler mit hoher Leidenschaft und dem Willen, „die Extrameile zu gehen“, seien entscheidend gewesen. Er selbst habe „jedes Detail“ im Blick gehabt. Ohne diese Form von Führung sei Erfolg schlicht nicht zu erreichen.

Den entscheidenden Erfolg führte Rotthaus auf eine bestimmte Kombination zurück: „eine starke Vision, die richtigen Menschen und eine Führungskultur, Leadership.“ Sein eigenes, junges Team habe er bewusst auf Augenhöhe geführt. Dabei betonte er auch die Bescheidenheit, die zu echtem Teamerfolg gehöre.

„Man muss den anderen Menschen ihren Erfolg gönnen.“ Am Ende gehe es bei guter Führung darum, Menschen zu bewegen, „Gewohnheiten aufzugeben“ und sie zu Leistungen zu begeistern, „von denen sie ihr Leben lang verzehren werden“. Genau das sei in Hoffenheim möglich gewesen.

Gleichzeitig reiche es nicht, „ein Zielbild zu erklären, sondern, man muss die Menschen verstehen, ihre Perspektiven ernst nehmen, aber trotzdem den Mut haben, als Führungskraft, konsequent zu entscheiden.“

Die Atmosphäre in seiner Hoffenheimer Zeit umschrieb Rotthaus mit einem „Startup-Feeling“. Den Startup-Vergleich wählte er dabei bewusst: Scheitern liege in der Wirtschaft wie im Sport selten an fehlender fachlicher Qualifikation – und Glück gehöre, wie er einräumte, stets auch dazu. Entscheidend bleibe aber die Führungskultur: ob ein Team eine Haltung entwickele, die es befähige, über sich hinauszuwachsen.

Das Abendgespräch und die anschließende Diskussion moderierten BKU-Geschäftsführer David Dekorsi und Dr. Markus Warode, Vorsitzender der BKU-Diözesangruppe Ruhrgebiet und Co-Leiter des BKU-Arbeitskreises Bildung.

Bild: Jochen A. Rotthaus im Business Club Stuttgart