Katholische Kirche – Wandel durch Bruch?!

„Ist das System noch zu retten? Oder einfach dorthin gehen, wo etwas entsteht?“

Das Bildungshaus St. Luzen, ein ehemaliges Franziskanerkloster, ist ein abgeschiedener Ort mitten in Hechingen, früher katholisches Grenzgebiet, unweit vom protestantischen Württemberg. Kein schlechter Treffpunkt für etwa 20 BKUler und junge Tübinger Theologen, um einen Nachmittag lang über die Katholische Kirche nachzudenken, die momentan ja von vielen Krisen gebeutelt wird. Zum Beispiel mit der Frage: Wenn die Kirche eine Firma wäre, …? … Aber der Reihe nach.

Brennglas Missbrauchsskandal

Brennglas für vieles, was schief läuft in der Kirche, ist der Missbrauchsskandal. Boston Globe, January 6, 2002: „Church allowed abuse by priest for years“; 2010 dann Pater Mertes SJ, Canisius-Kolleg, … aber die Leitung der Kirche bleibt stoisch in Deckung. Warum diese Wagenburgmentalität? Andreas Kirchartz, Repetent am Tübinger Wilhelmsstift, versucht es mit einem Blick auf die Mentalitätengeschichte der Kirche: Hans Zollner, Jesuit, Psychologieprofessor und Leiter des Leiter des Centre for Child Protection an der Gregoriana in Rom, spricht von einer spezifisch katholischen Mentalität, die (sexuellen) Missbrauch begünstigt und vor allem den Umgang damit prägt*. Die geschichtlichen Wurzeln liegen tief, in der Reformationszeit, in Aufklärung, französischer Revolution und Säkularisierung sowie in Evolutionstheorie und moderner Psychologie. All das kratzte massiv an der jahrhundertealten Souveränität und Macht der Kirche. Es entwickelte sich so eine Wagenburg-Mentalität, die weit über Missbrauchsskandale hinaus, das Handeln der kirchlichen Leitungsebene weltweit prägt. Aber, nicht jedes Kirchenvolk arbeitet sich so mühsam an der Institution ab, wie wir in Deutschland – zudem nicht immer geschickt in der Auseinandersetzung mit Rom.

Erhellende Blicke von außen

Erhellende Blicke von außen steuerten Liz Böckler, sie verbrachte einige Zeit in England (Oxford) und Felix Maier, er studierte sechs Monate in Rom, bei. Zumindest Oxford macht Mut: „Leerraum als Freiraum“ oder sogar Aufbruch in ein „Post-Polemik-Zeitalter“. In Rom und in der Perspektive von Papst Franziskus sind die Themen andere. Rede- und Denkverbote gibt es zwar nicht mehr, Angst vor Kontrollverlust mag dagegen durchaus weiterhin vorherrschen. Gestritten wird um Wahrheit oder um das rechte Verständnis von Tradition und Dogmen. Der Draht von und nach Deutschland scheint dabei sehr störanfällig – auch hier treffen unterschiedliche Mentalitäten aufeinander: Briefe-schreiben oder lieber miteinander reden, wie kann ein fruchtbarer Dialog gelingen, und das bei so unterschiedlichen je eigenen Themen?

Zurück im Ländle und in unserer Runde beherrscht zunächst dieses ohnmächtige Gefühl von anhaltendem Niedergang die Diskussion, aber auch Ärger über konkrete Vorkommnisse in der letzten Zeit. Die Ohnmacht bezieht sich auf das System Kirche. Wie soll es überhaupt weitergehen? Warten auf …, ja auf was? Ganz ohne Hoffnung geht der Nachmittag jedoch nicht zu Ende. Es gibt sie, die Nischen, in denen Glaube (und Kirche) neu lebt oder gelebt werden kann. Besonders deutlich wird das in einigen sehr persönlichen Statements, vor allem der jungen Theologen.

Traditionen mit Wert

Beim Abendessen gehen die Gespräche lockerer weiter – und in der anschließenden Abschlussrunde sind alle wieder sehr angetan von diesem Gesprächsformat, dem Dialog zwischen Jung und Alt, einem brennenden Thema, der entspannten Atmosphäre, ausreichend Zeit, gemeinsamem Abendessen. Wieder deshalb, weil das nun schon die dritte Veranstaltung dieser Art war. Ganz klar, im nächsten Jahr wollen wir die Tradition fortsetzen. Traditionen haben eben ihren Wert.

Reinald Wolff, DG Stuttgart

* Zollner, Hans, Wandel durch Bruch? Mentalitätengeschichtliche Betrachtungen zum Missbrauch in
der katholischen Kirche, in Katholische Dunkelräume
https://doi.org/10.30965/9783657791217_004

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