Prof. Dr. Bastian Kaiser ist ein engagierter Forstmann und umtriebiger Macher. An diesem Spätnachmittag, einem frühlingshaften Märztag, vermittelt der Rektor der Forsthochschule in Rottenburg unserer BKU-Runde faktenreich und anschaulich seine Vorstellungen darüber, wie wir mit dem bedrohten Retter Wald hierzulande besser umgehen können. Das erfordert einen nüchternen Blick – jenseits von romantisch-verklärtem Naturverständnis einerseits und polarisierten Grabenkämpfen zwischen Natur- und Artenschützern sowie Holzfabrikanten andererseits.
Unser Kulturwald heute ist ein Produkt großer Aufforstungsaktivitäten nach den Kriegen, von Unterschieden in den Besitzverhältnissen, dem Wandel der bäuerlichen Landbewirtschaftung, natürlichen Anpassungsprozessen sowie den unnatürlichen, gleichzeitig dynamischen Veränderungen des Klimas. Einheitlich laufen solche Entwicklungen kaum, weder in Deutschland noch in anderen Weltregionen. Darin liegen jedoch große Chancen, voneinander zu lernen. Gerade die Hochschulen sind prädestiniert, über die Ausbildung und den internationalen Studierenden-Austausch, diese Entwicklung zu fördern und sich in langfristigem Denken zu üben – was im Übrigen ja auch auf andere Bereiche der Gesellschaft ausstrahlen könnte.
Der Wald hilft sich nicht (nur) selbst. Das ist durchaus gut. Sich selbst überlassen, würde er sich eher reproduzieren, anstatt erneuern. Gleichzeitig wäre er als CO2 Senke ziemlich ungeeignet. Dennoch sind auch Naturschutzflächen und Bannwälder sinnvoll, für den Artenschutz, als Erholungsraum für stressgeplagte Städter oder als Experimentierfelder für die Forschung.
Wie jedoch können unsere Wälder zum Retter im Klimawandel werden?
Prof. Kaiser nennt drei Aktionsfelder:
- Bestehende Wald-Flächen erhalten und pflegen.
- Wald als Kohlenstoffspeicher anders bewirtschaften – Bäume früher fällen, um Holz-Wachstum insgesamt zu steigern; klimaresilientere Bäume pflanzen; geschlagenes Holz möglichst langfristig nutzen, z.B. im Hausbau.
- Waldflächen ausweiten.
Fazit: Es braucht eine aktive Forstwirtschaft. Wirtschaftswälder können zusätzliches CO2 aus der Atmosphäre filtern. Koexistenz mit sich weitgehend selbst überlassenen Flächen fördert den Artenschutz. Der Austausch mit anderen Welt-und Waldregionen hilft allen weiter. Ebenso wichtig jedoch sind Austausch und Ausgleich mit anderen Interessengruppen im eigenen Land – denn auch hier geht es um Aufmerksamkeit, Ressourcen und Überzeugung. Das Bewahren der Schöpfung kann also ganz schön mühsam sein.
Der Wald ist für jeden von uns ja ein alter Bekannter. Und jeder pflegt so manche Überzeugung, ob zum Artenschutz, zur Schönheit der Natur, zum Nutzen von Brennholz oder zur Rolle von Waldbesitzern und Holzindustrie. Der nüchtern abwägende Blick, hilfreiche Fakten und ein Verständnis der Dynamiken von Wachsen, Vergehen und (Klima-)Veränderungen, fehlt häufig. Zum Ende des Abends wird das Puzzle deutlich klarer. Dazu halfen auch gute Gespräche bei Speis und Trank im holzgetäfelten Ambiente des Schadenweilerhofs – und die angenehme Gastfreundschaft von Prof. Kaiser und seinem Team.
Autor: Reinald Wolff, DG Stuttgart