Wie gelingt Leistungsbereitschaft – und zwar in christlicher Verantwortung? Unter dieser Leitfrage stand die Bundestagung des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU) 2025 in Koblenz. Drei Tage lang diskutierten Unternehmer und Führungskräfte aus ganz Deutschland über die Verbindung von Wirtschaft und Werten – über Herausforderungen im Gesundheitswesen, digitale Innovationen, Steuer- und Sozialpolitik, Energiefragen und die Zukunft der Unternehmensnachfolge. Dabei wurde deutlich: Christliche Werte und wirtschaftliches und politisches Handeln gehören zusammen – gerade in Zeiten des Wandels.
Nach den internen Gremiensitzungen am ersten Tag der BKU-Bundestagung 2025 in Koblenz-Ehrenbreitstein begann der zweite Tag mit einer Morgenandacht des Arbeitskreises „Christliche Spiritualität“ unter Leitung von Michael G. H. Bommers, CEO der La mer Cosmetics AG. Im Anschluss trat die Delegiertenversammlung zusammen. Bevor Tagungsmoderator und BKU-Vizevorsitzender Andree Brüning den inhaltlichen Teil der Bundestagung im DIEHLs Hotel eröffnete, wurden zudem noch die neuen BKU-Senatoren für ihre langjährige Treue, ihr Engagement und ihre wertvollen Beiträge zur Arbeit des BKU geehrt.
Ein kabarettistischer Einstieg mit Glaubensbekenntnis und „K.O.-Komplimenten“
Den Auftakt bildete dann das Kabarettprogramm „K.O.-Komplimente“ von Anka Zink, das einen humoristischen Blick auf Alltagsphänomene der Gegenwartskultur warf. Mit Blick auf den besonderen Rahmen ihres Auftritts bekannte sie sich freimütig dazu, katholisch zu sein: „Ich bin’s, ich bleib’s auch!“ In diesem Zusammenhang sprach sie von einer „Nibelungentreue“ – und betonte ihr Partialinteresse als Frau: Bei zwei von drei Weltreligionen käme man als Frau immerhin nicht vor.
Scherzhaft setzte Zink den Katholizismus in einen Kontrast dazu: „Immerhin haben wir mit Maria eine Frau im Aufsichtsrat!“ Auch brach Zink in ihrem Kabarettprogramm eine Lanze für das Sakrament der Beichte, die „zu Unrecht in Verruf geraten“ wäre. „Ich finde Beichte besser als Psychotherapie“, legte sie sogar nach.
Auf den von rheinisch-katholischem Humor geprägten Einstieg folgte sodann das titelgebende Thema ihrer Einlage. So bezeichnete Zink die überhandnehmende Tendenz vieler Zeitgenossen, zu schnell beleidigt zu sein, als „Krankheit unserer Tage“ – und sparte dabei nicht an amüsanten Beispielen und Exkursen aus ihrem eigenen Erfahrungsschatz.
Bundestagung im Glauben an das Gute in dieser Welt und darüber hinaus
Anschließend begrüßte Michael Scheidgen, Vorsitzender der BKU-Diözesangruppe Koblenz, die Teilnehmer im DIEHLs Hotel in Koblenz-Ehrenbreitstein. Mit Blick auf das Tagungsthema „Leistungsbereitschaft in christlicher Verantwortung“ erinnerte er an Friedrich Wilhelm Raiffeisen, den aus dem Westerwald stammenden Begründer des Genossenschaftswesens.
Raiffeisen, so Scheidgen, habe als tiefgläubiger Christ aus einer dezidiert christlichen Verantwortung heraus die Grundlage eines subsidiären und leistungsorientierten Bankwesens gelegt, das bis heute weltweit Wirkung zeige. Anders als Karl Marx, der Religion als „Opium des Volkes“ bezeichnete, habe Raiffeisen im Glauben die Quelle sozialer Tatkraft gesehen. Dessen Satz „Die Hilfe zur Selbsthilfe entspringt dem Geiste christlicher Nächstenliebe“ habe bis heute nichts an Aktualität verloren.
Scheidgen betonte, dass Wort und Tat bei Raiffeisen zwei Seiten derselben Medaille gewesen seien und seine Haltung bis heute beispielgebend sei. „In dem gemeinsamen Glauben daran, dass das Gute in dieser Welt und darüber hinaus aus christlicher Verantwortung erreicht werden kann“, so Scheidgen abschließend, „heiße ich Sie zur diesjährigen Bundestagung in unserer Rhein-Mosel-Metropole Koblenz herzlich willkommen.“
In den anschließenden Grußworten unterstrichen auch BKU-Bundesvorsitzender Dr. Martin Nebeling und Lioba Müller, Vorsitzende des Jungen BKU, die Mission und Verantwortung des Verbandes. Tagungsmoderator Andree Brüning griff diesen Gedanken auf und hob die Bedeutung des gemeinsamen Wertegerüstes hervor, das den BKU in Wirtschaft, Politik und Kirche verbinde.
Der Patient: das unbezahlbare Wesen?
Von der „Krankheit unserer Tage“, die Anka Zink zuvor humoristisch skizziert hatte, war während der Vorträge und Diskussionen der Bundestagung nichts zu spüren: Im Gegenteil stand hier, getragen von der geistlichen Gemeinschaft im mystischen Leib Christi, der ehrliche, konstruktive und kluge Austausch im Mittelpunkt – ohne dabei den ernsten Anspruch und auch Mut zu verlieren, die Katholische Soziallehre stets zum Maßstab zu nehmen.
Diesen anspruchsvollen Maßstab braucht es auch, wenn es um das Gesundheitssystem unserer Tage geht, wie dies beim inhaltlichen Auftakt des zweiten Konferenztages, mit dem der Beitrag des Arbeitskreises „Gesundheitswirtschaft“, der Fall war. PD Dr. Dr. Kai Witzel, Chirurg und Vorsitzender der BKU-Diözesangruppe Fulda, und Hannes Groß, Direktor des Instituts für christliche Organisationskultur, führten die Teilnehmer in die aktuellen sozialethischen und wirtschaftlichen Kernfragen der Gesundheitswirtschaft ein.
Im Mittelpunkt ihres Vortrags stand der Patient als „unbezahlbares Wesen“ im Spannungsfeld von Ökonomie, Ethik und Personalnot. Ausgangspunkt war die Analyse der stetig steigenden Kosten im deutschen Gesundheitssystem. Witzel nannte als Ursachen unter anderem häufige Arztbesuche, Ärztehopping, Überalterung und genauere Diagnostik. Zugleich verwies er auf den wachsenden Bedarf an Ärzten, der sich durch strikte Arbeitszeitgesetze zusätzlich verschärfe – etwa, wenn Assistenzärzte teils mitten in einer Operation ihre Schicht beenden müssten.
Groß betonte, dass Patienten nicht allein als Kostenstellen und Mitarbeitende im Gesundheitswesen nicht nur als Human Resources betrachtet werden dürften. Kultur und Ethik, so sein Hinweis, seien kein schmückendes Beiwerk, sondern integraler Bestandteil eines funktionierenden Systems.
„Was kostet es unsere Gesellschaft, wenn wir Menschen auf Kosten reduzieren?“, fragte Groß und lenkte damit den Blick auf die Dimension unbezahlter Sorgearbeit durch Angehörige, Ehrenamtliche und die Caritas.
Die Würde des Menschen, wie sie in der Katholischen Soziallehre verankert ist, mache ihn „unbezahlbar“, sagte Groß weiter. Dies sei nicht verhandelbar, werfe aber Fragen für den Alltag im Gesundheitswesen auf – etwa, wie Zuwendung, Gespräch und Aufmunterung als „Leistungen aktiver Mitmenschlichkeit“ ihren Platz behalten könnten. Witzel ergänzte, dass mediale Darstellungen von Ärzten häufig unrealistische Erwartungen schürten – zwischen Überhöhung und Dramatisierung.
Konkret identifizierten Witzel und Groß vier Problemfelder im deutschen Gesundheitswesen: Die zunehmende Ambulantisierung führe zu immer kürzeren Aufenthaltsdauern, während eine starke Patientensteuerung die Anreize für gute allgemeinmedizinische Versorgung schwäche. Hinzu komme die Notwendigkeit, die Digitalisierung weiter voranzutreiben und stärker auf Prävention sowie Eigenverantwortung zu setzen.
Mit einer interaktiven Abstimmung per App konnten die Teilnehmer während des Impulses eigene Einschätzungen und Ideen einbringen – ein Format, das den Dialog zwischen Praxis und ethischer Reflexion gezielt förderte.
10 Thesen zu digitaler Innovation im Dienst des Menschen
Im Anschluss sprach Dr. Katharina Schüller, geschäftsführende Gesellschafterin von STAT-UP Statistical Consulting & Data Science und Leiterin des BKU-Arbeitskreises „Digitalpolitik“. Sie widmete sich der Frage, wie Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) verantwortungsvoll gestaltet werden können.
Schüller betonte, dass es nicht genüge, den digitalen Wandel passiv zu begleiten. Digitalisierung und Fortschritt in der KI müssten, so ihre zentrale Botschaft, „aktiv und verantwortlich“ mitgestaltet werden. Gleichzeitig warnte sie davor, technische Systeme zu vermenschlichen: „KI-Agenten sind keine Menschen! Ich brauche zutiefst menschliche Fähigkeiten, um mit KI-Agenten umzugehen.“
Die Daten- und Statistikexpertin machte deutlich, dass KI bestehende menschliche Schwächen und Konflikte nicht überdecke, sondern diese unter Umständen noch verstärken könne. Wenn „tiefliegende menschliche Konflikte und Schwächen in Organisationen zugekleistert“ würden, so Schüller, verschlechterten KI-Agenten Führung und Kommunikation, statt sie zu verbessern.
Ausgehend von dieser Beobachtung entwickelte sie zehn Thesen, die den Menschen in den Mittelpunkt digitaler Innovation stellen. Digitale Innovation, so Schüller, müsse dem Menschen dienen und Verantwortung als Voraussetzung für jeden Fortschritt begreifen. Zugleich sei eine verlässliche digitale Infrastruktur unverzichtbar, doch technologische Investitionen allein reichten nicht aus – ebenso wichtig sei der Aufbau von Kompetenzen, die einen reflektierten Umgang mit neuen Technologien ermöglichen.
Schüller warb für Mut zu unternehmerischem Vorangehen und betonte, dass Vertrauen nur entstehe, wenn alle relevanten Akteure – von der Wirtschaft über Politik bis zur Zivilgesellschaft – in Innovationsprozesse einbezogen würden. Orientierung könnten dabei christliche Werte geben, die den Menschen nicht als Mittel, sondern als Ziel technischer Entwicklung verstehen.
Auch verwies sie auf den hohen Wert von Gesundheitsdaten als Ressource für eine bessere medizinische Versorgung, deren Nutzung jedoch immer ethisch abgesichert sein müsse. Fortschritt entstehe zudem dort, wo Fachgrenzen überwunden und Erfahrungen geteilt würden. Und schließlich, so Schüller, brauche es positive Praxisbeispiele, um Glaubwürdigkeit zu schaffen und Vertrauen in digitale Innovation zu stärken.
Ihr Fazit fiel klar aus: „Verantwortungsvolle Digitalisierung gelingt dann, wenn Innovation, Datenschutz und Vertrauen zusammengedacht werden – und wenn der Mensch konsequent im Mittelpunkt steht.“
Unsere Gesellschaft braucht eine neue Erbschaftsteuer
Im weiteren Verlauf der Tagung diskutierte der Arbeitskreis „Steuerrecht“ die Frage, ob und wie die deutsche Erbschaftsteuer reformiert werden müsse. Unter dem Titel „Unsere Gesellschaft braucht eine neue Erbschaftsteuer“ stellten Marcus Wilp, Leiter des Arbeitskreises, Dr. Andreas Fisch von der Kommende Dortmund und Bernd Meier, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer aus Freiburg, ihre Überlegungen vor.
Die Referenten betonten, dass die bestehende Erbschaftsteuer ihrer Aufgabe nicht gerecht werde – obwohl eine gerechte Ausgestaltung grundsätzlich die Leistungsbereitschaft stärken könne. In ihrem Impuls verbanden sie sozialethische Reflexionen mit einer detaillierten Analyse der steuerrechtlichen Praxis. Dabei erinnerten sie an den Sozialethiker und BKU-Mitbegründer Oswald von Nell-Breuning SJ, der einst darauf hingewiesen hatte, dass zwar ein Mindestmaß an Ungleichheit als Anreiz zum Streben diene, „allzu große Ungleichheit“ jedoch diejenigen ausschließe, „die auf der Schattenseite des Lebens sitzen“, und ihre Tatkraft lähme.
Kritisch sah der Arbeitskreis insbesondere die derzeitigen Ausnahmeregelungen. So seien Steuerbefreiungen von bis zu 100 Prozent selbst für sehr große Unternehmensvermögen möglich, was den Grundgedanken sozialer Gerechtigkeit unterlaufe. Auch die sogenannte Verschonungsbedarfsprüfung eröffne zahlreiche Gestaltungsspielräume, etwa durch die ausschließliche Anrechnung des am Stichtag vorhandenen nicht begünstigten Vermögens, während künftige Ausschüttungen unberücksichtigt blieben.
Zudem wiesen die Referenten auf problematische Übertragungen hin – etwa auf Kinder ohne eigenes Vermögen oder auf Stiftungen, deren Destinatäre ihre Vermögenslosigkeit nicht nachweisen müssten. Die Abgrenzung zwischen begünstigungsfähigem und nicht begünstigungsfähigem Vermögen sei in der Praxis kaum leistbar. Dabei spiele es für die Zahl der Arbeitsplätze keine Rolle, ob Großunternehmen wie Henkel oder VW im Streubesitz oder in Familienhand seien.
Besonders kritisch beurteilte der Arbeitskreis die langfristige Bindung an Lohnsummen, die sie als massiven Eingriff in die unternehmerische Freiheit bezeichneten. Darüber hinaus seien die Steuersätze bei großen Vermögen oft geringer als bei kleineren, während Vermietungsunternehmen erst ab einem Bestand von mehr als 300 Wohnungen steuerlich begünstigt würden.
Im Fazit hielten Wilp, Fisch und Meier fest, dass die gegenwärtige Erbschaftsteuer keinen signifikanten Beitrag zum Staatshaushalt leiste, zu komplex, gestaltungsanfällig und letztlich unfair sei.
Stattdessen plädierten sie für eine vereinfachte Struktur mit einer Flat Tax von 10 Prozent auf betriebliches Vermögen, verbunden mit Stundungsmöglichkeiten, indexierten Grundfreibeträgen und einer realitätsnahen Bewertung von Unternehmensanteilen. Privatvermögen solle hingegen weiterhin progressiv besteuert werden.
Die dadurch gewonnenen zusätzlichen Mittel, so der Arbeitskreis, könnten gezielt zur Vermögensbildung eingesetzt werden – etwa durch Einkommensteuererleichterungen, niedrigere Sätze auf Arbeitseinkommen, eine Vereinfachung der steuerlichen Praxis und die Entlastung von Geringverdienern bei Sozialabgaben.
Der Markenkern der Kirche ist Christus
Ein geistlicher Höhepunkt war neben dem Rahmenprogramm des AK „Christliche Spiritualität“ die Predigt von Bischof Stephan Ackermann in der Kapuzinerkirche in Koblenz-Ehrenbreitstein. Der Trierer Oberhirte nahm darin Bezug auf die bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda vorgestellte sechste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung, die nicht nur einen Rückgang der Kirchenbindung, sondern auch der allgemeinen Religiosität festgestellt hatte.
Ackermann erklärte, dass die „Frage nach Religion und Sinn“ zunehmend „eine marktfähige Struktur“ angenommen habe. In dieser Situation, so der Bischof, müsse sich die Kirche neu der Frage nach ihrem „Markenkern“ stellen – einem Begriff, den er bewusst als „USP“, also als Unique Selling Point, bezeichnete.
Unter Rückgriff auf Papst Benedikt XVI. und den Kirchenlehrer Irenäus von Lyon führte Ackermann aus, dass nicht Moral und Lehre, sondern die Person Christi selbst den entscheidenden Bezugspunkt der Kirche bilde. „Wenn wir nach dem Markenkern der Kirche fragen, dann ist Christus der Markenkern“, betonte er. Ohne Jesus Christus, so Ackermann weiter, bleibe die Rede über Gott rätselhaft, dunkel und abstrakt.
Er machte deutlich, dass das persönliche Bekenntnis zu Christus nicht nur das Gottesbild des Einzelnen präge, sondern auch dessen Blick auf Mensch, Welt und Gesellschaft. Es beeinflusse, „wie wir Welt und Gesellschaft gestalten“ – ohne dass Wahrheit und Freiheit in einen Widerspruch geraten müssten. Der Christusglaube, sagte Ackermann, spende Vertrauen in die Zukunft, „weil er den Tod überwunden hat“.
Zum Abschluss seiner Predigt richtete er den Blick auf die Unternehmer und Führungskräfte im BKU: Wer Christus in den Mittelpunkt stelle, gewinne „an Profil – als Christ und als katholischer Unternehmer“.
Sozialpartnerschaft als Kernprinzip Sozialer Marktwirtschaft
Der dritte Tag der Bundestagung begann mit einer weiteren Morgenandacht, bevor die inhaltlichen Beiträge fortgesetzt wurden. Zunächst sprach der Arbeitskreis „Soziale Ordnung“ über das Thema „Katholische Soziallehre und Sozialpartnerschaft – ein wertebasiertes Gegenmodell zur Diktatur der Dealer“.
Dr. Martin Nebeling, BKU-Bundesvorsitzender und Leiter des Arbeitskreises, betonte in seinem Impuls, dass die Sozialpartnerschaft eines der Kernprinzipien der Sozialen Marktwirtschaft sei. Sie habe ebenso wie andere Grundelemente dieser Wirtschaftsordnung wesentlich zum Erfolg Deutschlands beigetragen.
Nebeling erinnerte daran, dass beide Seiten – Arbeitnehmer wie Arbeitgeber – stets die Interessen des Gegenübers mitbedenken müssten. Arbeitnehmer hätten die Wettbewerbsfähigkeit der Arbeitgeber, Arbeitgeber wiederum die Löhne der Arbeitnehmer im Blick zu behalten. Nur so könne das Zusammenspiel von Solidarität und Subsidiarität gelingen.
Zugleich warnte Nebeling davor, dass sich die politische Mitte zu stark von den Arbeitnehmern entferne: Die CDU müsse aufpassen, nicht ausschließlich die Wirtschaft im Blick zu haben, damit die Arbeitnehmerschaft nicht zur AfD abwandere.
Gleichzeitig nehme der BKU die wirtschaftlichen Herausforderungen ernst: „Es fehlt an Innovationsfähigkeit“, sagte Nebeling. Diese Schwäche rühre auch von einem „Mangel an Bereitschaft zu Leistung, Risiko und Unternehmergeist“ her.
Der BKU, so der Vorsitzende, unterstütze Sozialpartnerschaft und Tarifbindung, lehne aber politische Mindestlöhne ab. Lohngestaltung müsse Sache der Tarifpartner bleiben – alles andere gefährde die Grundidee der Sozialen Marktwirtschaft.
Im Anschluss ergänzte Werner Schniedermann, Mitglied des Arbeitskreises „Soziale Ordnung“, seine Überlegungen um arbeitsmarktpolitische Perspektiven und sprach über Wege zu einer fairen, sozialpartnerschaftlich getragenen Arbeitsmarktreform. Seine Rede lässt sich unter beigefügtem Link in einem eigenen Beitrag nachlesen.
Der wichtigste Mensch im Unternehmen ist dein Nachfolger
Nach dem Beitrag des Arbeitskreises „Soziale Ordnung“ widmete sich der Arbeitskreis „Nachfolge“ einem Thema, das für viele Unternehmer von höchster Relevanz ist: der erfolgreichen Gestaltung des Generationswechsels.
Lioba Heinzler, Supervisorin, Unternehmenscoachin und Leiterin des Arbeitskreises, eröffnete ihren Impuls mit einem eindrücklichen Bild: „Die Nachfolge zu regeln fühlt sich oft an wie ein Puzzle mit 10.000 Teilen im Dunkeln zu sortieren.“ Damit machte sie die Komplexität des Prozesses unmittelbar greifbar. Heinzler betonte, dass Unternehmensnachfolge schwieriger geworden sei und schon jetzt ein akuter Nachfolgermangel bestehe – eine Entwicklung, die sich künftig noch zuspitzen werde. Der von ihr geleitete Arbeitskreis, in dem 31 Mitglieder des BKU mitwirken, habe sich daher intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und auf der Bundestagung seine Thesen vorgestellt. Gemeinsam mit dem Ruhestandscoach und Berater Dr. Hubert Koch, der ebenfalls im Arbeitskreis mitarbeitet, führte Heinzler in die Thematik ein. Sie stellte klar, dass Nachfolge nur mit einem „radikalen Perspektivwechsel beziehungsweise Generationen-Kompetenz“ gelingen könne.
Eingefahrene Denkweisen aufseiten der Abgeber begrenzten oft die Möglichkeiten – sei es durch einen zu starken Fokus auf Primogenitur, interne Nachfolge oder das eigene Geschäftsmodell.
Mit Blick auf das Tagungsmotto „Leistungsbereitschaft in christlicher Verantwortung“ verband Heinzler das Thema Nachfolge mit einer geistlichen Dimension: „Arbeiten bis zum Umfallen ist kein Qualitätsmerkmal. Jesus zeigt: Nachfolge heißt, den Nachfolgenden vertrauen und Raum geben.“ Koch ergänzte, dass die Verantwortung für das Gelingen der Nachfolge beim abgebenden Unternehmer liege. „Die Entscheidung über den Beginn des Prozesses und die Verantwortung für das Gelingen der Nachfolge liegen beim abgebenden Unternehmer“, betonte er. Dabei sei es zentral, die eigene Persönlichkeitsentwicklung – oft über Jahre hinweg zugunsten des Berufs vernachlässigt – zu reflektieren.
Anhand zahlreicher Praxisbeispiele zeigte Koch auf, welche Fallstricke drohen und wie die Entwicklung eines individuellen Lebensmodells für die dritte Lebensphase helfen könne. Entscheidend sei, nicht in ein „Mehr vom immer Gleichen“ zu verfallen, sondern, wie es im Johannesevangelium (Joh 10,10) heißt, „das Leben in Fülle“ zu haben.
Dies bedeute, die eigene Persönlichkeit zu entfalten und zugleich das Leben vom Ende her zu denken – auch mit Blick auf die abnehmenden Freiheitsgrade, wie sie Bischof Heiner Koch beschrieben habe.
Mit Intelligenz und Werten zu bezahlbarer Energie
Im weiteren Verlauf des Tages folgte der Arbeitskreis „Energie und Nachhaltigkeit“ mit einem Beitrag zur Energiepolitik. Dr. Thomas Tietz, Leiter des Arbeitskreises, sprach über die Verbindung von ökonomischer Vernunft, ökologischer Verantwortung und christlicher Schöpfungsethik.
In seinem Impuls forderte er eine Energiepolitik, die Subsidiarität, Verursacherprinzip und innovative Technologien miteinander verbindet. Seine vollständige Positionierung lässt sich als eigenständiger Beitrag unter beigefügtem Link nachlesen.
Im Anschluss fasste Dr. Martin Nebeling die inhaltlichen Schwerpunkte der Bundestagung zusammen und dankte allen Referenten, Arbeitskreisen und Teilnehmern für ihre Beiträge. Nach dem gemeinsamen Mittagessen boten verschiedene Kulturangebote Gelegenheit zum Austausch und Ausklang, darunter eine Schifffahrt auf Rhein und Mosel sowie ein gemeinsames Abendessen, mit dem die BKU-Bundestagung 2025 in Koblenz endete.
Fotos: Norman Gebauer