
Die Sonne steht noch golden über der Bonner Rheinaue, als sich mehr als 40 Gäste zur Premiere der „Strandakademie“ der DG Bonn am sandigen Ufer des Rheins einfanden, nur wenige Schritte vom Bismarckturm entfernt. Begrüßt wurden sie vom Vorsitzenden Dr. Rüdiger von Stengel und Vorstandsmitglied Simone Stein-Lücke, die das neue Format initiiert hatte.
Der Stargast des Abends: Martina Voss-Tecklenburg, Vizeweltmeisterin, vielfache Deutsche Meisterin, ehemalige Bundestrainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft und heute Cheftrainerin der Schweizer Nationalmannschaft. Kaum eine Persönlichkeit verkörpert den Zusammenhang von Leistungssport und werteorientierter Führung so eindrucksvoll wie sie.
Führung heißt: Menschen sehen
Den ersten Gruß sprach Schirmherr Dr. Christos Katzidis MdL, Präsident des Fußball-Verbandes Mittelrhein, der einen Blick auf die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs warf. Anschließend entfachte Voss-Tecklenburg ein rhetorisches Feuerwerk: „Führung ist ein Prozess der Einflussnahme und Interaktion in Gruppen.“ Doch für sie bedeutet das weit mehr als Taktik und Strategie: „Ich muss den Menschen hinter der Spielerin kennenlernen. Ihre Rolle im Team muss zu ihrer Persönlichkeit passen. Führung heißt, Liebe und Leidenschaft zu entfachen – und gleichzeitig ein Umfeld zu schaffen, in dem Fehlertoleranz möglich ist und Wachstum gelingt.“
Werteorientiertes Führen – im Fußball wie in Unternehmen
Ihre Botschaft war klar: Wertorientierte Führung zeigt sich nicht nur auf dem Spielfeld, sondern in jedem Kontext, ob in Vereinen, in Unternehmen oder in der Gesellschaft. Drei Haltungen stellte sie in den Mittelpunkt:
- Toleranz – die Vielfalt von Persönlichkeiten annehmen, mit Stärken und Grenzen.
- Verantwortung – Klarheit schaffen, das Gute benennen, Kritik offen aussprechen.
- Wertschätzung – das Wort „Schwächen“ aus dem Vokabular streichen und konsequent an den Stärken ansetzen.
Dabei bleibe Führung immer eine Aufgabe ohne „Feierabend“: Wer sichtbar Verantwortung trägt, ist dauerhaft Vorbild. Beeindruckt zeigten sich die Gäste, wie Voss-Tecklenburg es versteht, ein „echtes Team“ zu formen – eines, in dem Spielerinnen, Trainerstab, Fahrer und Servicekräfte auf Augenhöhe respektvoll miteinander arbeiten.
Mit Vision, Empathie und Disziplin
Besonders bewegend war ihr klarer Blick auf viele Alltagssituationen: „In Meetings geht es oft darum, wer Recht hat – statt um Lösungen. Dafür habe ich heute kein Verständnis mehr.“ Erfolgreiche Führung brauche stattdessen Vertrauen, Empathie, Disziplin – und den Mut, mit Freude und Leidenschaft einer gemeinsamen Vision zu folgen. Ziele erreiche man selten im ersten Anlauf, aber entscheidend sei das stete Ermutigen. Und wenn jemand nicht ins Team passe, müsse man auch den Mut haben, sich zu trennen, damit die betreffende Person an anderer Stelle wachsen könne.
Auch mit Niederlagen gehe man werteorientiert um: Abstand gewinnen, reflektieren, lernen – und die Vielfalt der Talente im Team nutzen, um gemeinsam gestärkt aus schwierigen Phasen hervorzugehen.
Begeisterung am Bonner Strand
Die Mischung aus Kompetenz, Bescheidenheit und persönlicher Leidenschaft machte die Keynote von Martina Voss-Tecklenburg zu einem Höhepunkt des Abends. Nicht nur Unternehmerinnen und Unternehmer aus Bonn, sondern auch Vertreter anderer Service-Clubs nahmen spürbare Inspiration mit.
Für die sommerliche Stimmung sorgte Pernod Ricard mit erfrischenden Ramazzotti-, Limoncello- und Arancia-Drinks – alkoholisch wie alkoholfrei. Dass sich alle wohl fühlten, ist auch der Unterstützung des Teams der BG 3000 zu verdanken, ein Social Impact-Unternehmen für Digitalbildung. Die DG Bonn darf sich über eine gelungene Premiere freuen: Die erste Strandakademie hat bewiesen, dass Werteorientierung nicht nur ein theoretisches Konzept ist, sondern im direkten Erleben Begeisterung stiftet. Fortsetzungen sind fest eingeplant.
Hans-Jürgen Dörrich
Simone Stein-Lücke