BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött, MdB, verteidigt Rente mit 67
Das Rad nicht zurückdrehen
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| Marie-Luise Dött, MdB, ist BKU-Bundesvorsitzende.
Foto: BKU |
Die Vorsitzende des Bundes Katholischer Unternehmer (BKU), Marie-Luise Dött, MdB, hat die Rente mit 67 verteidigt. In einem Gastkommentar für "Die Tagespost" (Ausgabe vom 10. Januar 2012) schrieb Dött:
„Vor einigen Jahren hat der Deutsche Bundestag die Rente mit 67 verabschiedet. Es ist eine Reform die viel Ehrlichkeit voraussetzt und die Sozialkassen nachhaltig entlasten wird. Nun beginnen die Maßnahmen zu greifen - und die Kritiker wollen das Rad wieder zurückdrehen. CSU-Chef Horst Seehofer und Teile der SPD fordern, diese Anhebung einzufrieren, bis sich die Beschäftigungssituation Älterer spürbar verbessert hat. Sie Die argumentieren, ohne bessere Beschäftigungschancen für Ältere führe die Reform zu einer Rentenkürzung. Dem möchte ich entgegnen:
Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der Bundesagentur für Arbeit belegen, dass die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland mit 41,04 Millionen einen neuen Höchststand erreicht hat und der Personalbedarf der Unternehmen hoch bleibt. Die Daten zeigen auch, dass die Beschäftigungsquote der Älteren überdurchschnittlich zugenommen hat und das tatsächliche Renteneintrittsalter gestiegen ist. Die demografische Entwicklung verstärkt diesen Trend noch. Unternehmen mit Weitblick setzen schon längst auf einen gesunden Mix aus jüngeren Mitarbeitern mit frischen Ideen und Älteren mit Erfahrung. Wenn es an Nachwuchs fehlt, werden die Unternehmen automatisch das Reservoir der reiferen Jahrgänge nutzen. Um das zu flankieren, brauchen wir Modelle eines gleitenden Überganges in den Ruhestand, die diesen Namen auch verdienen. Wir brauchen lebenslange Weiterbildung gerade für Mitarbeiter jenseits der 50. Körperlich schwere Arbeit wird zunehmend durch bessere Maschinen ersetzt.
Die Kritiker eines höheren Renteneintrittsalters müssen klar sagen, welche Alternativen sie haben: Da sie eine Kürzung der Renten ablehnen, bleiben nur eine Erhöhung der Rentenbeiträge oder des staatlichen Zuschusses zur Rentenkasse. Beides würde die mittleren Generationen stark belasten, die schon jetzt unter einer hohen Abgabenlast leidet.
Klar gesagt werden muss auch, dass die Rente mit 67 nicht auf einen Schlag eingeführt wird: Das Renteneintrittsalter steigt ab sofort für die Jahrgänge 1947 bis 1958 um einen Monat pro Jahr und für die folgenden bis 1964 um zwei Monate pro Jahr. Es wäre ein fataler Fehler, diesen langfristigen Mechanismus mit Blick auf die Arbeitsmarktlage kurzfristig immer wieder zu unterbrechen. Die Rentenpolitik darf nicht davon abhängig gemacht werden, welcher Anteil der über 60-Jährigen gerade eine Arbeit hat. Sie muss die Effekte des demografischen Wandels berücksichtigen.
Um es einmal klar zu sagen: Man kann Sozialpolitik nicht gegen die Mathematik machen! In Deutschland sinkt die Zahl der Geburten, während die Lebenserwartung steigt. Wir sollten uns über die geschenkte Lebenszeit freuen, aber auch die Konsequenzen für die Finanzierung der Renten im Auge halten."
