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Interview mit den Sprechern des Jungen BKU

Von der Summer School zum BKU



Benjamin Andrzejewski (l.) und Jonas Müller stellten sich den Fragen von Heinrich Wullhorst für das BKU-Journal (Juli 2018). Hier der im Journal verkürzt wiedergegebene Text in seiner Langfassung.

Einer der beiden neuen Sprecher des Jungen BKU ist ist der 23-jährige Jonas Müller. Er schreibt seine Masterarbeit über eine blockchainbasierte Maschinenanbindung im Studiengang Wirtschaftsingenieurswesen Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH Aachen. Der andere ist Benjamin Andrzejewski. Er hat zunächst Theologie und Geschichte für das Lehramt an der Universität Bonn studiert. Inzwischen hat er einen dualen Studiengang in Betriebswirtschaftslehre aufgenommen. Daneben ist er als Finanzdienstleister selbstständig tätig.

BKU-Journal: Wie sind Sie zum Jungen BKU gekommen und was hat Ihr Interesse an der Arbeit des Verbandes geweckt?

J. M.: Ich habe den BKU im Rahmen der Summer School des Erasmus-Projekts kennengelernt, an der ich im Jahre 2016 teilgenommen habe. Vor dem Hintergrund, dass ich im Studium in der Hauptsache mit Themen wie Maschinenbau und Wirtschaftstheorie befasst bin, fand ich es hoch interessant, einmal auf die weitere, vielleicht wichtigste Dimension zu schauen. Das sind für mich ethische Fragen, bei denen es um den Umgang der Menschen miteinander geht. Da geht es dann eben einmal nicht um Fragen von Produktionsmethoden, Rationalisierungsstrategien und Unternehmenseffizienz, sondern um den Menschen an sich. Deshalb fand ich es wichtig, einmal auf die Positionen der Kirche zu schauen, aber eben auch darauf, wie aus einer christlichen Sicht heraus ethische Unternehmensführung gestaltbar ist. 

B. A.: Den Bund Katholischer Unternehmer habe ich auf eine ganz andere Weise kennengelernt, als das bei Jonas der Fall ist. Ich arbeite bis heute für Professor Lothar Roos, der ja lange Jahre geistlicher Begleiter des BKU war und engagiere mich in der Joseph-Höffner-Gesellschaft. So bin ich schon lange sehr eng mit den Themen der Christlichen Gesellschaftslehre und den Werken des ehemaligen Kölner Kardinals verbunden. Nicht zuletzt durch die Aufnahme meines BWL-Studiums und meine Selbstständigkeit ist mein Interesse an unternehmerischen Themen und wirtschaftsethischen Fragestellungen noch einmal gewachsen.

Verantwortung für sich und andere Menschen

BKU-Journal: Was nimmt ein junger Mensch aus den Themen der Christlichen Gesellschaftslehre mit für sein eigenes Lebens- und Arbeitsumfeld?

B. A.: Als künftige Führungskräfte in Unternehmen wollen wir eine Entwicklung nehmen, bei der nicht immer Geld und Profit im Vordergrund stehen, sondern die Verantwortung für sich selbst aber eben auch für Andere eine entscheidende Rolle spielen. Und da ist die Christliche Gesellschaftslehre für mich ein guter Kompass.

J. M.: Die Teilnahme an der Summer School hat mir gezeigt, dass viele junge Menschen Spaß daran haben, sich mit dem Thema der ethischen Unternehmensführung zu beschäftigen. Wir suchten alle den Blick über den Tellerrand des Studiums hinaus und stellten uns dann die Frage: Wie kann man die theoretischen Ideen, die wir heute entwickeln, später in der Praxis umsetzen? Wie kann die Christliche Gesellschaftslehre mit ihren Prinzipien Maßstäbe für die Unternehmensführung setzen? Daraus ist ein Freundeskreis entstanden mit dem Gedanken, sich stärker zu vernetzen. Und diese Gruppe bildete dann auch die Grundlage für den Jungen BKU. Das Besondere daran ist, dass bei uns viele unterschiedliche Studiendisziplinen vertreten sind: Von der Betriebswirtschaftslehre bis zur Theologie. So kann man sich breit austauschen und das bereichert dann jeden Einzelnen.

B.A.: Der Bologna-Prozess und die Modularisierung der Studiengänge haben dazu beigetragen, dass es oftmals an der erforderlichen Breite in der universitären Ausbildung fehlt. Die Studierenden werden oft auf einen bestimmten Weg festgelegt ohne einmal nach links oder rechts schauen zu können oder zu müssen. Dabei fallen dann Themen wie die Wirtschaftsethik eher mal unter den Tisch, anstatt vertieft angenommen zu werden.


Mit Interesse dabei: Die Teilnehmer beim Treffen des Jungen BKU im März in Köln.

Mensch oder Zahl?

BKU-Journal: Wird der Unternehmensführer von Morgen nur die Zahlen in den Blick haben, oder bleibt der Mensch wichtig?

J.M.: Das menschenfreundlichste Unternehmen der Welt wird ohne den Blick auf die Zahlen, also ohne geschäftlichen Erfolg, keinen dauerhaften Bestand haben können. Und wenn es nicht dauerhaft am Markt existieren kann und keine Perspektive bietet, ist es wahrscheinlich auch nicht menschenfreundlich. Aber ebenso wichtig ist es, den Menschen nicht nur als Ressource zu sehen, sondern ihn mit seiner Würde der Personwahrzunehmen. Deshalb wollen wir lernen – theoretisch und mit Best Practices von anderen Unternehmern, wie man mit ethischen Führungsprinzipen einen dauerhaften Erfolg erzielen kann..

BKU-Journal: Digitalisierung ist mehr als schnelles Internet, sie ist eine Herausforderung an die Gesellschaft. Wie wichtig bleibt künftig die analoge Welt mit den realen Begegnungen neben der digitalen.

B.A.: Es wird wohl wie so oft der goldene Mittelweg sein, der zum Erfolg führt. Deshalb bleiben die beiden Kanäle der Kommunikation wichtig. Aber klar ist, wenn ich junge Menschen erreichen will, dann führt heute kein Weg an den Sozialen Netzwerken vorbei. Dort kann ich verschiedene Botschaften, die mir als Verband wichtig sind, zu den jeweiligen Zielgruppen bringen. Daneben muss es jedoch weitere Angebote wie die Summer Schools oder Treffen des Jungen BKU geben, damit in der persönlichen Begegnung mit einander ein Austausch stattfinden kann und Themen nach vorne gebracht werden. Deshalb begegnen sich die Mitglieder des Jungen BKU eben nicht nur in der von uns eingerichteten WhatsApp-Gruppe sondern bereits im November wieder ganz real in Leipzig.

BKU-Journal: Viele jüngere Menschen haben heute oft kaum noch Kontakt zur Kirche. Deshalb erscheinen auch katholische Verbände für sie meist nur wenig attraktiv. Wie kann es gelingen, sie dennoch für die Themen, für die der BKU steht, zu interessieren oder gar zu begeistern?

J.M.: Gerade deshalb richten wir uns als Junger BKU an alle jungen Menschen, die ein Interesse an Werten und ethischer Orientierung haben und nicht nur an die ohnehin kirchlich engagierten. Es gibt in unserer Gesellschaft und in Unternehmen viele Beispiele, wie Menschen nicht miteinander umgehen sollten. Deshalb sind viele in unserem Alter auf der Suche nach überzeugenden Werten und Prinzipien. Sie suchen sie aber nicht primär im kirchlichen Umfeld, obwohl es genau hier mit der Soziallehre Antworten auf herausfordernde Zeitfragen gibt. Zu ethischen Grundfragen findet man im Studienalltag nur selten Antworten und da wollen wir ein Angebot schaffen und Austauschplattform sein. Dabei hilft uns auch, dass wir alle, die sich im Jungen BKU engagieren aus unterschiedlichen Regionen und studienmäßigen oder beruflichen Bezügen kommen. Und vielleicht finden darüber junge Menschen wieder den Zugang zur Kirche.

Erste Schritte

Was sind die nächsten Schritte, um den Jungen BKU organisatorisch und inhaltlich nach vorne zu bringen?

B.A.: Das wird zum einen sicherlich unser Treffen in Leipzig sein, wo wir an die guten Begegnungen der ersten Veranstaltung in Köln anknüpfen wollen. Vielleicht wird es hier ja auch schon gelingen, neue Interessenten für unsere Gruppe zu gewinnen. Neugierig sind wir aber auch auf die Bundestagung des BKU im Oktober in Heidelberg. Auch hier werden Mitglieder des Jungen BKU teilnehmen. Dort wollen wir unsere Gruppe und unsere Ideen präsentieren und uns mit vielen BKU-Mitgliedern austauschen.

J.M.: Wichtig ist es für uns aber auch, dass wir ein Gründungs- und Planungsteam eingerichtet haben, um sich mit strukturell-organisatorischen Fragen, und insbesondere auch mit der inhaltlichen Ausrichtung des Jungen BKU zu befassen. Wir planen bereits im November erste Ideen und Vorschläge zu beraten. Und aus dieser inhaltlichen Vertiefung heraus werden wir dann auch gefestigt und offensiv nach außen wirken können. 

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