Die Basis von Innovation und Nachhaltigkeit

Sozialethische Perspektiven zum zukunftsfähigen Wirtschaften.

Die Grundlagen zukunftsfähigen Wirtschaftens diskutiert André Habisch, wissenschaftlicher Berater des Bundes Katholischer Unternehmer. Basis der Entwicklung von Innovation und Nachhaltigkeit bildet für ihn die Soziale Marktwirtschaft in Freiheit und Verantwortung.

Von Prof. Dr. André Habisch

Im Ludwig-Erhard-Museum in Fürth beeindruckt die Filmreihe der Unternehmerinitiative „Die Waage“ des BKU-Mitgründers und Kölner IHK-Präsidenten Franz Greiß. Hier ist in den damaligen Leitmedien massiv für Marktwirtschaft und die soziale Rolle von Unternehmen geworben worden. Die Gründergeneration war sich bewusst: Ohne Akzeptanz persönlicher Freiheit und privaten Eigentums ist erfolgreiches Wirtschaften unmöglich. Dazu müssen unternehmerische Entscheidungen immer auch Konsequenzen für die Bevölkerung im Blick haben und sollten nie ausschließlich unter Gewinnaspekten gefällt werden.

In Deutschland fangen wir in Sachen zukunftsfähiges Wirtschaften nicht bei null an. Nach 1945 ist die Soziale Marktwirtschaft nicht nur als wirtschafts-, sondern als gesellschaftspolitischer Weg zu Frieden und Freiheit entstanden, als neuer Gesellschafts- vertrag. Dieser – rückblickend sehr überraschenden – Wende sind wir auch angesichts unserer Zukunftsaufgaben verpflichtet. Auch heute sind Unternehmen unersetzbare Akteure im Ringen um globale Nachhaltigkeitsziele. Ohne Erfindergeist und Kostenmanagement gibt es keine nachhaltigen Produkte und Dienstleistungen zu bezahlbaren Preisen. Weder Politik noch Umweltverbände können dies leisten.

Nachhaltigkeit in der Weltgesellschaft

Nachhaltigkeit fassen wir heute als ökologisch-sozial-ökonomische Herausforderung auf. Alle Dimensionen müssen situationsbezogen zu einer Gesamtlösung integriert werden. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass globale Nachhaltigkeitsprobleme nicht in Deutschland allein gelöst werden können. Wir müssen uns dazu als Teil der Weltgesellschaft verhalten.

In China allein leben fast dreimal so viele Menschen wie in Europa; ihrem Weg aus der Armut dürfen die Nachhaltigkeitsziele nicht im Weg stehen, sie müssen vielmehr darin integriert werden. Der Schlüssel ist Innovation, sind gemeinsame Investitionen in eine bessere Zukunft.

Zukunftsfähigkeit braucht Werte

Eine Lehre der Sozialen Marktwirtschaft ist: Kein Mechanismus setzt festgelegte Ziele so effektiv um wie der Konkurrenzmarkt. Doch der Markt ist unfähig zur Festlegung gemeinsamer Ziele. Realistische Ziele müssen sich in entsprechenden Rahmenbedingungen für die Unternehmen abbilden – die dann kreativ und diszipliniert an besseren Lösungen arbeiten. Deshalb ist eine CO2-Steuer das Nachhaltigkeitsinstrument der Wahl. Daneben müssen Investitionen in öffentliche Güter treten. Zukunftsfähiges Wirtschaften durch engmaschige Regulierung zu erreichen, steht sich schnell selbst im Weg. Auch marktwirtschaftliche Mechanismen dienen den Nachhaltigkeitszielen – etwa eine Finanzwirtschaft, die bei der Bewertung von Unternehmen Nachhaltigkeitskriterien angemessen berücksichtigt.

Die Personenwürde jedes einzelnen Menschen bleibt entscheidender Maßstab ordnungspolitischer Regulierung der Digitalwirtschaft. Das gilt auch für die sogenannte künstliche Intelligenz. Als Teil der sozialen Umwelt sollte sie weder verteufelt noch vergöttert werden. Sie kann menschliche Einsamkeit, Krankheit, Unsicherheit lindern, aber auch der Vernachlässigung persönlicher Zuwendung Vorschub leisten. Die konkrete Ausgestaltung obliegt der praktischen Weisheit von Unternehmen, Fachleuten und demokratischer Politik. Institutionalisierte Selbststeuerungsfähigkeit ist eine zentrale Errungenschaft Sozialer Marktwirtschaft. Sie lebt von der personalen Mitverantwortung jedes Einzelnen. Alarmistische Rufe nach schnellem Handeln können diese Leistung ebenso beschädigen wie gleichgültige Konfliktfaulheit. Deshalb reichen für zukunftsfähiges Wirtschaften bloße„Fakten“ nicht aus.

Deren nüchterne Erhebung ist eine Voraussetzung, ersetzt aber verantwortliche Entscheidungspraxis nicht. Diese muss sich vielmehr Rechenschaft über zugrundeliegende Wertefragen geben – und sie angemessen zur Sprache bringen. Fehlende ethische Sprachfähigkeit bedroht die Humanität in Wirtschaft und Gesellschaft. Bei aller Bedeutung von Effizienz wird Zukunftsfähigkeit nur erreichbar sein, wenn dabei auch über das gute Leben geredet wird.

Unternehmertum als Berufung

Sozialethisch manifestiert sich Zukunftsfähigkeit auch als wachsendes Bewusstsein bisher verborgener ethischer Ansprüche. So wurden etwa aus „Gastarbeitern“ Mitbürger anderen kulturellen Hintergrunds mit eigenen religiösen Bedürfnissen. Geschlechtergerechtigkeit reflektiert den Anspruch von Frauen und Männern, sich in Familie und Berufsausübung als Person zu realisieren. Die Lieferkettenproblematik erinnert daran, dass auch jenseits nationaler Grenzen die Person-Würde jedes Menschen zum Maßstab seiner Arbeitsbedingungen werden muss.

Die jüngsten Sozialenzykliken der Päpste nehmen das Ringen um zukunftsfähiges Wirtschaften im Raum der internationalen Völkergemeinschaft auf und buchstabieren es vom Glauben her aus. Sie nehmen Unternehmertum als Berufung und als moralisch anspruchsvolles Ringen wahr, das zur Realisierung sozialer und gesellschaftlicher Ziele einen unverwechselbaren Beitrag erbringt.

Foto: Gerd Altmann / pixabay


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