„Kirche und Wirtschaft sind keine feindlichen Brüder“
Der BKU auf dem Ökumenischen Kirchentag 2010 in München
Ein Stand auf der Kirchentagsmesse AGORA, die Beteiligung am Empfang der Wirtschaft und die Rolle als Mitveranstalter an zahlreichen Veranstaltungen - So brachte sich der BKU in den zweiten Ökumenischen Kirchentag vom 12. bis 16. Mai in München ein.
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| Volles Haus:Arbeitgeberpräsident Hundt eröffnete den Empfang. |
Zentrale Veranstaltung aus Sicht des BKU waren Diskussion und Empfang zum Thema „Damit ihr Hoffnung habt - Soziale Marktwirtschaft nachhaltig gestalten“ im Haus der Bayerischen Wirtschaft in der Münchener Innenstadt. Mit dabei waren unter anderem Arbeitgeberpräsident Prof. Dr. Dieter Hundt und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. Gastgeber war die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in Kooperation mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), dem Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer (AEU) und dem BKU. Die Diskussion wurde vom Chefredakteur des Rheinischen Merkur, Prof. Michael Rutz, moderiert.
Hundt: Die Frage nach dem ethischen Fundament der Wirtschaftsordnung
Der BDA-Präsident wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass seit Beginn der Finanzkrise verstärkt nach dem ethischen Fundament der Wirtschaftsordnung gefragt wird. Und er erinnerte daran, dass die Väter der Sozialen Marktwirtschaft durch die christliche Soziallehre geprägt waren. Gerade heute sei deshalb der Dialog zwischen Kirche und Wirtschaft wichtig, sagte Hundt. So war es nur folgerichtig, dass er die Hoffnung formulierte, dass vom Münchener Kirchentag der Impuls für ein neues gemeinsames Wort der Kirchen zur sozialen und Wirtschaftlichen Lage in Deutschland ausgehen möge.
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| Lebhafte Debatte: Marlehn Thieme (v.li.),Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, Michael Rutz, Dr.Nikolaus von Bomhard und Marie-Luise Dött, MdB. |
Erzbischof Zollitsch warnte gleichermaßen davor, Gewinne an sich pauschal zu verteufeln oder sich auf schnelle Gewinne zu fixieren. „Der entscheidende Werte jedes Unternehmens ist der Mensch“, sagte der Bischof. Zudem sei er noch nie so oft von der Wirtschaft eingeladen worden wie derzeit, um über Werte zu diskutieren. Zollitsch erinnerte auch daran, dass die Welt von der Globalisierung nicht überrollt wird: „ Es sind Menschen, die dies alles machen“, sagte er.
Dött: Werte mit Leben füllen
Die BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött, MdB, warf die Frage auf, ob sich die bewährten Prinzipien Mittelständischer Unternehmen auch auf anonyme Kapitalgesellschaften übertragen. Ein Umdenken und Umsteuern könne nur über die handelnden Personen gelingen, die diese Werte mit Leben füllen, sagte sie. Zum Thema Staatsverschuldung nahm sie indes die Politiker in Schutz: „Jeder sagt, was er will, aber keiner, worauf er verzichten will!“ kritisierte Dött.
Der Vorstandsvorsitzende der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, Dr. Nikolaus von Bomhard, berichtete selbstkritisch von den Schwierigkeiten der Manager, angesichts hoher Renditeerwartungen der Aktionäre nicht jeder Verlockung nach schnellem Verdienst nachzugeben. Vor der Krise habe es viel Mut erfordert, „nicht so lange mitzutanzen, wie die Musik spielt“, sagte er. Folglich sei auch nicht jeder, der in der Krise schlecht da steht, „ein unanständiger Mensch.“
Für den AEU saß Vorstandsmitglied Marlehn Thieme im Podium. Sie kritisierte, dass vor der Krise Wettbewerbsvorteile für die Akteure zugelassen wurden, die die Regeln missachtet haben. Nun fordert sie einen ethischen Kodex für international operierende Unternehmen, um Bereiche wie den Umweltschutz oder Arbeitsbedingungen zu regeln.
Im Schlusswort betonte vbw-Präsident Randolf Rodenstock als Hausherr, dass Kirche und Wirtschaft „keine feindlichen Brüder sind“. Der Dialog zwischen beiden sei wichtig, weil es beiden „in vielerlei Hinsicht um die gleich Dinge geht.“
