BKU-Romreise verband Gespräche im Vatikan mit touristischen Höhepunkten
Besuch bei der Weltkirche
Zu einer festen Tradition, die auch im Vatikan wahrgenommen wird, haben sich die jährlichen Romreisen des BKU entwickelt. Vom 2. bis 7. Mai nahmen wieder rund 50 Mitglieder und Freunde des BKU an dieser Reise teil, die Besuche bei der Kurie mit einem touristischen und spirituellen Rahmenprogramm verbindet.
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| Zeitungslektüre vor antiker Kulisse: Auch das Colosseum stand auf dem Besuchsprogramm der BKU-Romreise. Fotos: Peter Unterberg |
Einen festen Platz im Programm hat der Empfang in der Deutschen Botschaft am Heiligen Stuhl. In diesem Jahr waren dort Botschafter Walter Jürgen Schmid und sein Mitarbeiter Monsignore Eugen Kleindienst die Gesprächspartner. „Wir sind nicht Partei, sondern Gesprächspartner, die Staat und Kirche zusammenbringen", beschrieb Schmid sein Selbstverständnis. Mit einem Vergleich illustrierte er die Bedeutung, die seine Ansprechpartner im Vatikan haben: Die Bildungskongregation des Heiligen Stuhls etwa betreue mehr Hochschulen und Schulen als jedes nationale Bildungssystem, betonte er. Während die Botschafter jeweils nur für wenige Jahre in Rom sind, sorgt Monsignore Kleindienst für Kontinuität: Er ist als Priester von der Kirche freigestellt und steht als Beamter auf der Lohnliste des Auswärtigen Amtes.
Streitfall Kirchenaustritt
In der Diskussion mit der Gruppe kam das Gespräch sehr schnell auf einen aktuellen Streitfall: Ein Freiburger Theologe möchte formal aus der Kirche austreten und keine Kirchensteuer mehr zahlen, aber nach wie vor am Abendmahl teilnehmen. Dazu erklärte Kleindienst, dass die Kirche aus Sicht des Staates eine Körperschaft des öffentlichen Rechtes ist, während sie sich selbst auch als geistliche Gemeinschaft versteht. Dieser Streitfall wird wohl noch einige Zeit die deutschen Gerichte und die kirchlichen Stellen in Rom und Deutschland beschäftigen.
Durch die Vermittlung der Botschaft konnte die Gruppe einen Tag später auch einen der Höhepunkte der Reise auf den vordersten Plätzen genießen: die Papstaudienz auf dem Petersplatz. Woche für Woche nehmen an diesem Ereignis ZehntausendeMenschen aus aller Welt teil. Die Ansprache desHeiligen Vaters und die Aufzählung der Besuchergruppen in den großen Weltsprachen zeigten eindrucksvoll den Umfang der Weltkirche.
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| Ankunft von Papst Benedikt XVI. zur Generalaudienzauf dem Petersplatz. Die BKU-Gruppe konnte dieses Ereignis auf bevorzugten Plätzen verfolgen. |
Neu im Amt und damit auch im Besuchsprogramm ist der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch. Der ehemalige Bischof von Basel erklärte, bei seiner Ernennung habe der Papst einen Kandidaten gesucht, der die reformierten Kirchen aus der persönlichen Begegnung kenne. In seinem neuen Amt begegne er nun dem „gesamten Pluriversum" der aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen. Aus dieser Sicht machte Koch drei Bemerkungen zum Stand der Ökumene:
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| Kardinal Kurt Koch ist Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen. |
• Erstens beobachtet er im Protestantismus eine Verästelung in immer kleinere Einheiten. So entstünden ständig neue evangelische Teilkirchen, die wiederum den Dialog mit dem Einheitsrat suchten.
• Zweitens habe jede Kirche ein eigenes Modell der Einheit. Bei vielen Protestanten beobachte er eine Einschränkung im Ziel der Ökumene auf eine gegenseitige Anerkennung der Kirchen.
• Drittens gehe es in der Ökumene derzeit vor allem um ethische Fragen, die jedoch selbst innerhalb der einzelnen Kirchen unterschiedlich beantwortet würden. Als Beispiele nannte Koch Bioethik, Homosexualität und Frauenordination.
Eine traditionelle deutsche Einrichtung ist der Campo Santo Teutonico. Zu dieser Institution direkt Am Petersdom gehört neben einer Kirche und einem deutschen Friedhof ein Gästehaus.Hier wohnen 20 deutsche Priester, die im Auftrag ihrer jeweiligen Bischöfe in Rom ein Zweitstudium absolvieren. Die Anlage gehört seit dem Jahre 1454 einer Erzbruderschaft, die in Rom deutsche Pilger betreut.
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| Hans Peter Fischer ist seit einigen Monaten Rektor von Campo Santo. |
Neuer Rektor von Campo Santo ist seit einigen Monaten Hans Peter Fischer. Er empfing die BKU Gruppe zum Gespräch und stellte seine Räume auch für deren Austausch mit Joseph Kardinal Cordes zur Verfügung. Und obwohl der ehemalige Präsident des Päpstlichen Hilfswerkes Cor Unum hier ein und aus geht, stellten Cordes und Fischer fest, dass sie sich zu diesem Anlass zum ersten Mal begegneten.
Cordes berichtete in diesem Gespräch aus den Jahren, in denen er als Botschafter des Papstes und der Weltkirche in den Katastrophengebieten rund um den Globus geistliche und materielle Hilfe geleistet hat. Als „Kind des Zweiten Vatikanischen Konzils" stellte der Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien, Bischof Dr. Josef Clemens, seine Dienststelle vor.
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| Bischof Dr. Josef Clemens (li.) und BKU-Mitglied Bernd Cassau. |
Dieser Rat betreut mehr als 140 international aktive katholische Verbände. Zu den größten Herausforderungen gehört die Organisation der Weltjugendtage. Für den Jugendtag im August in Madrid lägen bereits mehr als 350 000 feste Anmeldungen vor, berichtete der Bischof. Noch relativ neu in seinem Portefeuille ist das Thema Ethik des Sports. Hierzu sei derzeit eine katholische Stellungnahme in Arbeit.
Zu den Kleinodien, die normalerweise nicht für Besucher geöffnet werden, gehört das Santa Sanctorum, die frühere Privatkapelle der Päpste aus dem 8. Jahrhundert. Den Kontakten der Reiseleiterin Dr. Susanne Hohwieler war es zu verdanken, dass sich die Türen dieses Raumes voller Reliquien und wertvoller Fresken exklusiv für die BKU-Gruppe öffneten.
Einer der sieben Hügel Roms ist der Aventin, auf dem mehrere Ordensgemeinschaften ihren Stammsitz haben. Eine davon sind die Benediktiner, deren Abtprimas Notker Wolff, OSB, mit der Gruppe die Heilige Messe feierte. Danach blieb noch Zeit für ein ausführliches Gespräch und einen Rundgang durch das in St. Anselm beheimatete Benediktinerkolleg samt Philosophisch-Theologischer Hochschule. Wie Wolff erklärte, ist im Benediktinerorden jedes Kloster autark und bleibt somit auch die lebenslange Heimat jedes seiner Mönche. Doch bereits im Mittelalter habe es eine Kongregation der Benediktinerklöster gegeben, die durch Visitationen und Kooperationen mit Leben gefüllt wurde.
Vertriebswege für die Frohe Botschaft
Papst Leo XIII. versuchte gegen Ende des 19. Jahrhunderts vergebens, die Benediktiner zu einemfesten Orden zusammenzufügen.Was ihm jedoch gelang, war die Gründung von St. Anselm als Studienzentrum und monastisches Institut. Heute lernen hier 450 Studenten aus 80 Ländern. 120 von ihnen wohnen im Kloster, in dem jedoch „der Abtprimas als einziger Mönch lebt", wie Wolff selbstironisch vermerkte. Wolff gab auch seine Einschätzungen zur Lage der Kirche in Deutschland ab: Für die Erneuerung der Kirche sind aus seiner Sicht Glaube und Barmherzigkeit zentral. Wichtig sei auch, alle möglichen „Vertriebswege" für die Frohe Botschaft zu nutzen. Dazu zähle auch seine wöchentliche Kolumne in „Bild der Frau", für die er oft kritisiert werde: Auf diesem Wege erreiche er 1,2 Millionen Leserinnen: „So eine Kanzel habe ich nirgendwo sonst!" Wenig Verständnis hat er für die, die aus der Kirche austreten, weil ihnen Pfarrer oder andere Gläubige nicht gefallen: „Wenn neben mir ein dummer Heini sitzt, sage ich auch nicht, ich trete aus Deutschland aus", spottete Wolff.
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| Katja Plate leitet das Büro der Konrad-Adenauer- Stiftung in Rom. |
Einen Blick in die politische Kultur Italiens gewährten Katja Plate, die neue Leiterin der Repräsentanz der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rom, und ihr Team. Hier erfuhr die Gruppe, dass das Land jahrzehntelang von einem Dualismus aus Katholiken und Kommunisten geprägt wurde. Jede dieser Kräfte, die zusammen rund 70 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinen konnten, hatte ihre Wurzeln in stabilen Kulturen. Dabei profitierte die Democracia Christiana (DC) vom Antikommunismus der übrigen Parteien. So wurde das Land grundsätzlich von Koalitionen unter Führung der Christdemokraten regiert. Doch nach dem Niedergang des Kommunismus in Osteuropa zerfiel auch die Kommunistische Partei Italiens.
Berlusconis "Telekratie": Populismus statt Programme
Die Christdemokraten demontierten sich durch zahlreiche Skandale selbst. Als Alternative entstand die „Telekratie" der Popolo della Libertà von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, die Programme durch Populismus ersetzt. Doch während Berlusconi seit Jahren an Ansehen und Handlungsfähigkeit verliere, fehlten bis heute glaubwürdige Alternativen zu seiner Partei. Aus den Ruinen der alten Parteien sind zahlreiche kleine Bewegungen hervorgegangen, die jedoch bislang noch keine Mehrheiten finden. Das sei das Dilemma des heutigen Italiens, erfuhr die Gruppe.
„Die deutsche Idee von Italien ist in diesem Haus verwirlicht." So stellte Direktor Joachim Blüher das deutsche Kulturinstitut Villa Massimo vor. Hier leben jeweils zehn deutsche Künstler, die sich als Stipendiaten des Bundes ein Jahr lang von der italienischen Kultur inspirieren lassen können.
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| Der Direktor der Villa Massimo, Joachim Blüher (li. Mitte), präsentierte das Modell einer Kirche, die in der Nähe von Rom gebaut werden soll. |
Darüber hinaus schafft es Blüher, mit einem bescheidenen Etat und kreativen Ideen ein Kulturprogramm zu organisieren, das als Schaufenster Deutschlands in Rom dient. Mit viel Begeisterung präsentierte der Direktor sein Haus und ein aktuelles Projekt seiner Schützlinge: Den Neubau einer Kirche südlich von Rom, deren Pläne in der Villa Massimo entstanden sind.
Einen der schönsten Arbeitsplätze im Vatikan hat der Präsident des Governatorats, Kardinal Giovanni Layolo. Als „Ministerpräsident" des Vatikanstaates residiert er in einem Palast zwischen Petersdom und Vatikanischen Gärten. Er ist für alle verwaltungstechnischen Angelegenheiten zuständig, die auch in einem kleinen Staat wie dem Vatikan anfallen. Kein Vorbild für andere Behörden ist sicherlich die Relation von Einwohnern und Beamten: Den 500 Staatsbürgern des Vatikanstaates stehen rund 1900 Beamte gegenüber. Dennoch erwartet Layolo nach einigen Jahren mit roten Zahlen für das laufende Haushaltsjahr einen Etatüberschuss von 21 Millionen Euro.
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| Für eine Weinprobe nebst festlichem Abendessen fuhr die Gruppe nach Castel Gandolfo in den Albaner Bergen. |
Neben diesen Begegnungen rundete ein straffes Besuchsprogramm die Tage in Rom ab: Der Petersdom und die drei übrigen Hauptbasiliken standen ebenso auf dem Plan wie das Collosseum und das Pantheon. In der Domitilla-Katakombe begegneten die Teilnehmer den Spuren der frühen Christenheit. Für eine Weinprobe nebst opulentem Abendessen fuhr die Gruppe nach Castel Gandolfo in den Albaner Bergen.
Peter Unterberg
Vormerkungen für die nächste Romreise vom 30. April bis 6. Mai 2012 nimmt die BKU-Geschäftsstelle schon jetzt entgegen.





