Ressource Mensch
12. bis 14. November 2009: Die zweiten Eichstätter Gespräche von BKU und Katholischer Universität.
Das alt-erwürdige Priesterseminar der barocken Bischofs- und Universitätsstadt Eichstätt erwies sich erneut als idealer Ort für einen intensiven und vertrauensvollen Dialog zwischen Führungspersönlichkeiten aus Kirche, Wirtschaft und Wissenschaft. 90 Teilnehmer waren der Einladung zu einem zweitägigen Gedankenaustausch gefolgt.
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Kurienkardinal Giovanni Lajolo (li.) hielt die Predigt bei der Heiligen Messe im Verlauf der Tagung. Der Bischof von Eichstätt (re.), Gregor Maria Hanke, stellte den Teilnehmern in seinem Referat die Menschenführung nach Benedikt vor. |
In Anwesenheit von Kardinal Giovanni Lajolo, dem früheren Apostolischen Nuntius in Deutschland, eröffnete der Eichstätter Bischof Dr. Gregor M. Hanke (OSB) persönlich die zweiten Eichstätter Gespräche. In seinem Eingangsreferat betonte er den lateinischen Ursprung des Wortes Ressource. Das Wort "resurgere" bedeute "hervorquellen". Uund tatsächlich sei der Mensch gemäß der Katholischen Soziallehre "Quelle, Träger und Ziel aller gesellschaftlichen Institutionen", wie es in der Pastoralkonstitution "Gaudium et Spes" des 2. Vatikanischen Konzils programmatisch heiße.
"Der Mensch ist Subjekt und darf niemals zum Objekt degradiert werden" sagte Hanke weiter. Jedem "Gebrauch des Menschen" oder gar einer "Verzweckung" erteilten in ihren Begrüßungsworten auch der Präsident der KU, Professor Dr. Andreas Lob-Hüdepohl, und der stellvertretende BKU-Vorsitzende, Burkhard Leffers, eine Absage.
Bildung als zentrales Thema
Professor Dr. Ludger Wößmann, der an der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität die CESifo-Professur für Volkswirtschaftslehre und Bildungsökonomik innehat, lenkte mit seinem Vortrag zum Thema "Kapital in den Köpfen - Schlüssel für individuelle Erwerbsfähigkeit und volkswirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit" den Blick auf das Thema Bildung.
Dieses stellte sich schnell als das zentrale Thema der Gespräche heraus.Einigkeit herrschte dabei bei den Teilnehmern, dass fachlich-berufliche Bildung und Qualifizierung einerseits und menschlich-charakterliche Bildung anderseits keine Gegensätze sind, sondern sich ergänzen müssen. Von besonderer Bedeutung sei deswegen die Ausbildung der Ausbildenden sowie die Rolle der Familie.
Kritisiert wurde von einigen Teilnehmern in diesem Zusammenhang die Einführung der Bachelor-Studiengänge. "Wir laufen hier Gefahr, das einseitig auf Wissensvermittlung gesetzt wird und die Persönlichkeitsentwicklung zu kurz kommt", so die Sorge zahlreicher Teilnehmer.
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Der Bischof von Limburg, Franz-Peter Terbartz-van Elst (v.li), Prof. Thomas Bauer, Vizepräsident der Bauer AG, und Dr. Hans-Peter Kloes vom Institut der Deutschen Wirtschaft diskutierten über die Familie als Quelle von Sozial- und Humankapital. |
Der Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst betonte in seinem Vortrag die Rolle der Familie. "Starke Eltern stärken Kinder", fasste er seine Botschaft zusammen. Dr. Hans-Peter Klös vom Institut der deutschen Wirtschaft unterstrich die unverzichtbare Rolle der Familie ebenfalls und hob zunächst einmal ihre regenerative Funktion hervor. "Wir brauchen in Deutschland wieder mehr Kinder und dies ist die primäre Funktion der Familie, so banal das klingen mag", betonte der Wissenschaftler.
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Am Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurden im Verlauf der weiteren Diskussionen allerdings auch unterschiedliche Sichtweisen deutlich. Alle betonten zwar die Wichtigkeit der elterlichen Wahlfreiheit, aber die Prioritäten staatlicher Fördermaßnahmen vom Ausbau der Infrastruktur für Kinderbetreuung über Ganztagsschulangebote bis hin zum Betreuungsgeld wurden unterschiedlich bewertet.
Einig wiederum war man sich bei der Wichtigkeit, in den Unternehmen stärker auf Familienfreundlichkeit zu setzen. Gerade mit Blick auf den sich verschärfenden Fachkräftemangel werde sich Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsvorteil erweisen, so die einhellige Ansicht von Wissenschaftlern und Unternehmern. Neben der Umsetzung einzelner familienfreundlicher Maßnahmen sei allerdings das allgemeine Betriebsklima hinsichtlich der Rücksichtnahme auf die Bedürfnisse von Vätern und Müttern entscheidend.
Professor Jörg Althammer, BKU-Berater und Professor für Unternehmensethik an der KU, machte die Schwierigkeiten der Familienfreundlichkeit am Beispiel der eigenen Universität deutlich. "Wie soll eine Studentin mit Kleinkind bei Pflichtveranstaltungen von 8.00 bis 20.00 Uhr anwesend sein und ein Auslandsemester absolvieren?", fragte er selbstkritisch.
Professor André Habisch, Wissenschaftlicher Berater des BKU und Sozialethiker an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der KU in Ingolstadt, lenkte in seinem Beitrag den Blick auf die Rolle der Wirtschaft. "Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Ihr Geheimnis ist die praxisorientierte Partnerschaft zwischen Unternehmen und öffentlichen Bildungseinrichtungen", meinte Habisch. Er empfahl, diese Bildungspartnerschaft viel stärker auch bei allgemeinbildenden Schulen sowie den Hochschulen zu praktizieren. Konkret forderte er entsprechend den neuen Hochschulräten, in denen sich auch Vertreter der Wirtschaft engagierten, solche Gremien auch an allen allgemeinbildenden Schulen einzurichten.
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Der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel, BKU-Mitglied Anton Börner, kritisierte in seinem Beitrag, Verantwortlichkeit und eigenverantwortliches Handeln seien in vielen Unternehmen nicht erwünscht - auch wenn in den Unternehmensethiken etwas anderes stehe. |
Peter Clever, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Bundesvereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) griff diese Idee auf und ergänzte: "Diese Gremien müssen dann aber auch was zu sagen habe, sonst wird man keine profilierten Unternehmer-Persönlichkeiten gewinnen können." Clever forderte, den Schulen mehr Eigenständigkeit in Personal- und Finanzfragen zu geben: "Wir brauchen die selbständige Schule, die ihr je eigenes Profil ausbildet und in der sich das Engagement der Lehrerenden auch lohnt."
Professor Thomas Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bauer AG in Schrobenhausen und Vize-präsident der Bayerischen Wirtschaft brachte seine Sorge zum Ausdruck, dass seit Jahren vor allem Jungen aus bildungsfernen Schichten immer mehr auf der Strecke zu bleiben drohten. "In unseren Kindergärten und Grundschulen haben wir fast nur noch weibliches Lehrpersonal. Diese Einseitigkeit ist ungesund und besorgt mich in höchstem Maße", mahnte der Familienunternehmer.

