Exklusive Gespräche und Besuche im Vatikan prägten die
BKU-Romreise 2012
In der ersten Reihe
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| Papst Benedikt XVI. begrüßt
BKU-Mitglied Stephan Siemer, MdL (rechts), und die BKU-Vorsitzende
Marie-Luise Dött, MdB (Mitte). Links neben dem Heiligen Vater sein
Privatsekretär Prälat Dr. Georg Gänswein.
Foto: BKU |
Den ersten Höhepunkt erlebten die Teilnehmer der diesjährigen BKU-Romreise gleich am ersten Abend: An einem Tag, an dem 28 000 Menschen die Vatikanischen Museen besucht hatten, gehörten die Museen samt Sixtinischer Kapelle für zwei Stunden nur der BKU-Gruppe. Ein weiterer Höhepunkt war die Teilnahme an der Mittwochsaudienz von Papst Benedikt XVI..Während die Reisegruppe in einer der ersten Reihen saß, wurden die BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött, MdB, und BKU-Mitglied Stephan Siemer, MdL, sogar persönlich vom Heiligen Vater begrüßt.
Die Exklusivführung durch die Sixtinische Kapelle außerhalb der regulären Öffnungszeiten gehört zum festen Bestandteil der BKU-Romreise, die jeweils über den ersten Mai ein anspruchsvolles touristisches Programm mit Gesprächen rund um den Vatikan kombiniert. In diesem Jahr berichteten unter anderem der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, und Bischof Josef Clemens vom Laienrat über ihre Arbeit. Einen Blick in die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl erhielten die Teilnehmer beim Empfang des Botschafters Dr. Reinhard Schweppe.
Wichtige Dialogplattform
Diese Gespräche haben sich zu einer wichtigen Dialogplattform entwickelt: Die BKU-Bundesvorsitzende Marie-Luise Dött, MdB, ist bei jeder der Reisen dabei und informiert die Gesprächspartner über aktuelle Entwicklungen im BKU. Und auch die Teilnehmer sorgen mit offenen Worten und kritischen Fragen zu kirchenpolitischen Themen für einen intensiven Austausch.
Das weite Feld der Ökumene muss der Präsident des Päpstlichen Rates für die Einheit der Christen, Kardinal Kurt Koch, bestellen. Er erklärte der BKU-Gruppe zunächst die beiden Grundtypen der Kirchenspaltung: Die Trennung in die Ost- und die Westkirchen sowie die Spaltung der Westkirchen als Folge der Reformation. Doch auch innerhalb dieser Lager gebe es mittlerweile zahlreiche Abspaltungen und eine ständig steigende Zahl neuer Kirchen, berichtete der Kardinal. Das mache die Zahl seiner Verhandlungspartner immer größer und die Aufgabe immer komplexer.
Auf Kochs aktueller Agenda steht das Jubiläum der Reformation, das „uns Katholiken Bauchschmerzen bereitet". Aus seiner Sicht sei hier eher ein Gedenken als eine Jubelfeier angemessen. Viel reizvoller fände er eine gemeinsame Erklärung über 2000 Jahre Christentum, von denen ja drei Viertel gemeinsam gelebt wurden. Außerdem möchte Koch die dunklen Seiten Martin Luthers nicht verschweigen, etwa seine Einstellung zu Frauen und Juden.
Und obwohl es eigentlich nicht in seinen Bereich gehört, wich Koch auch kritischen Fragen zum Umgang mit den Muslimen nicht aus. „Das eigentliche Problem Europas ist nicht die Stärke der Moslems, sondern die Schwäche der Christen", meinte der Kardinal. Engagiert wies er darauf hin, dass 80 Prozent der religiös verfolgten Menschen auf der Welt Christen sind: „Ich wäre froh, wenn in Deutschland über verfolgte Christen mindestens so viel gesprochen würde wie vom Zölibat!"
Kontakt zu den katholischen Verbänden
„Ich bin neben dem Papst der letzte Deutsche im aktiven Dienst", stellte sich der Sekretär des päpstlichen Rates für die Laien, Bischof Dr. Josef Clemens, vor. Er hält den Kontakt zu den katholischen Verbänden in aller Welt. Und seine Dienststelle ist federführend bei der Vorbereitung der Weltjugendtage. Das nächste Großereignis dieser Art steht im Juli 2013 in Rio de Janeiro bevor. Mit Blick auf seine alte Heimat sagte Clemens, dass es im internationalen Vergleich in Deutschland durch Verbände und Vereine ein Überangebot für Menschen gibt, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. In vielen anderen Ländern dagegen sei dieses Netz viel dünner. Hier freuten sich die Menschen über jedes noch so kleine Angebot, miteinander in Beziehung zu treten.
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| Der Generalsekretär des Governatorato, Bischof Giuseppe Sciacca (Mitte), empfing
die Gruppe im repräsentativen Palazzo hinter dem Petersdom. Foto: BKU |
Zuständig für die weltlichen Angelegenheiten des Vatikanstaates ist das Governatorato. Dessen Generalsekretär, Bischof Giuseppe Sciacca, empfing die Gruppe im repräsentativen Palazzo hinter dem Petersdom. Die rund 1900 Mitarbeiter dieser Institution sind unter anderem für Personal- und Gesundheitsweisen, Finanz- und Postwesen sowie die Sicherheit verantwortlich. Der größte Teil der Mitarbeiter sind „Gastarbeiter" aus Italien. Nur wenige von ihnen erhalten über ihre Funktion beim Heiligen Stuhl auch die Staatsbürgerschaft des Vatikanstaates. Dieser verstehe sich im Übrigen nicht als Gottesstaat sondern als konfessioneller Staat, erklärte der Bischof.
21 Umzüge haben der neue deutsche Botschafter am Heiligen Stuhl, Dr. Reinhard Schweppe, und seine Frau im Laufe ihres gemeinsamen Diplomatenlebens hinter sich gebracht. Stationen dieser Reise waren neben Kapstadt und Pretoria in Südafrika auch die Botschaften in Washington, Neu Delhi, Genf und Warschau. Der Einsatz am Heiligen Stuhl gilt nach solch einer Laufbahn traditionell als abschließender Höhepunkt im Diplomatischen Dienst. Schweppe empfing die BKU-Runde zu einem Empfang im Garten seiner Residenz.
Eine spannende politische Entwicklung hat die neue Leiterin der Konrad-Adenauer-Stiftung in Rom, Katja Plate, in ihrem ersten Jahr vor Ort erlebt: Sie berichtete über den Übergang der Regierung Berlusconi auf das Kabinett der „Technokraten" unter Ministerpräsident Mario Monti im November 2011. Als Demokratin findet Plate dieses Modell, parteiübergreifend Fachleute statt Politiker an die Spitze eines Staates zu setzen, bedenklich.
Monti habe einen schnellen Start hingelegt und binnen zehn Tagen eine Welle von Reformen durch das Parlament gebracht. Steuern und Rentenalter wurden erhöht und Sparmaßnahmen verabschiedet. Doch schon die zweite Reformwelle aus diversen Liberalisierungen im Februar 2012 sei weitgehend stecken geblieben, erklärte Plate. Dass dies im Ausland kaum wahrgenommen wurde, liege an einer Besonderheit Italiens: Die Regierung kann per Dekret Maßnahmen beschließen, die dann binnen 60 Tagen vom Parlament genehmigt, abgelehnt oder verändert werden müssen. Viele Medien hätten jedoch nur über den ersten Teil dieses Prozesses berichtet, nicht aber über die Verwässerungen der folgenden Wochen.
Sorge über die hohe Jugendarbeitslosigkeit
Große Sorgen bereite die hohe Jugendarbeitslosigkeit von 36 Prozent. Einen Teil der Schuld daran gab Plate dem italienischen Arbeitsrecht, das Arbeitnehmer mit einem festen Vertrag faktisch unkündbar mache. Das führt dazu, dass neue Arbeitsverträge fast nur noch befristet sind. Zudem gibt es junge Frauen, die ihrem Arbeitgeber bei Dienstantritt eine Blanko-Kündigung aushändigen müssen, die im Falle einer Schwangerschaft aus der Schublade gezogen werde.
Ausgesprochen unternehmerisch vertritt Dr. Joachim Blüher als Direktor der Villa Massimo in Italien die deutsche Kultur: „Ich glaube nicht an Kulturaustausch, ich glaube an Konkurrenz", betont er beim Besuch der BKU-Gruppe. Jeder Künstler wolle das beste Bild malen und es für den höchsten Preis verkaufen.
In der Villa Massimo leben zehn Stipendiaten, die jeweils ein eigenes Studio und einen großzügigen Zuschuss zum Lebensunterhalt bekommen. In der anregenden Atmosphäre Roms entstehen so sehenswerte Kunstwerke, die nach Ablauf des Stipendiums in Berlin präsentiert werden. Umgekehrt organisiert Blüher in Italien selbstbewusst Ausstellungen deutscher Künstler, denn: Unser Land solle nicht unterschätzen „was unter und hinter uns steht!" Und er hat auch keinerlei Berührungsängste zur Wirtschaft und möglichen Sponsoren: Die Kunst als Symbol und Verpackung im Umfeld der Wirtschaft sei nicht zu unterschätzen.
Auf den Spuren der frühen Christen besuchte die Gruppe die Domitilla-Katakombe und die Kloster in Subiaco in den Bergen östlich von Rom. Dort hat der Heilige Benedikt als Eremit in der „Sacro Speco" gelebt. Über dieser Höhle entstand eine romanische Kirchenanlage samt Kloster, in der noch zahlreiche Fresken aus dem 13. Jahrhunderte erhalten sind. Nur wenige Kilometer entfernt liegt das Kloster der Heiligen Scholastika, die als Schwester des Benedikt ihren wichtigen Platz in der Kirchengeschichte gefunden hat. Bei einem festlichen Abendessen am Rande des Kratersees von Castel Gandolfo blieb dann Zeit, diese Eindrücke noch einmal Revue passieren zu lassen.
Peter Unterberg

