Festakt mit Bundestagspräsident Lammert und Erzbischof Minnerath
BKU-Sommerempfang in Berlin im Zeichen des 60. Geburtstages
Mit festlichen Sommerempang am 25. Mai 2009 in Berlin hat der BKU die Festlichkeiten zu seinem 60-jährigen Bestehen abgerundet. Die Feier begann mit einer heiligen Messe in der Hedwigskathedrale, wo der Erzbischof von Berlin, Georg Kardinal Sterzinsky, insbesondere die Gründung des BKU in der DDR im Jahre 1990 würdigte. Festredner waren Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert und der Erzbischof von Dijon, Prof. Dr. Roland Minnerath. Prominente Gäste waren unter anderem der Apostolische Nuntius, Erzbischof Jean Claude Périsset, Staatssekretär Dr. Hermann Kues, MdB, und ZdK-Präsident Prof. Dr. Hans Joachim Meyer.
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| Gäste und Aktive des BKU-Empfanges: Nuntius Erzbischof Jean Claude Périsset (v.li.), DG-Vorsitzender Norbert Jöris, Dr. Jürgen Kiowski, Georg Kardinal Sterzinsky, die BKU-Vorsitzendes Marie-Luise Dött, MdB, Cornelius G. Fetsch und Erzbischo Roland Minnerath. |
Historischer Ort
Die Moderation des Abends lag in den Händen von Norbert Jöris, dem Vorsitzenden der Diözesangruppe Berlin. Jöris bezog sich in seinem Grußwort auf den historischen Ort, an dem der Sommerempfang stattfand: Liege das Haus der Commerzbank auf dem ehemaligen Sperrgebiet an der Berliner Mauer direkt am Brandenburger Tor und damit an der Stelle, an der US-Präsident Ronald Reagan seinerzeit den sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow aufgefordert hatte, die Mauer zu öffnen.
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| Bundestagspräsident Lammert |
Lammert lobt die Rolle des BKU
Bundestagspräsident Prof. Dr. Norbert Lammert betonte in seinem Beitrag, dass sich der 60. Geburtstag des BKU gut in den Reigen der 60-Jahr-Feiern von Grundgesetz und anderen bundesdeutschen Institutionen einfügt. "Der BKU hat eine frühe, nachhaltige und wirksame Verbindung mit der Wirtschaftsordnung", versicherte Lammert. Bei der heute anstehenden Neujustierung der Sozialen Marktwirtschaft könne der Verband wieder eine wichtige Rolle spielen. Die globalisierte Wirtschaft braucht nach Lammerts Worten Regeln, die von einer Institution gesetzt werden müssen, der nicht Marktteilnehmer ist.
Die Finanzakrobaten hätten sich lange Zeit aus allen Regeln "davongeschlichen" und schienen kurz vor dem endgültigen Durchbruch zu stehen. Dann jedoch sei es zur eindrucksvollsten Kapitulationserklärung gekommen: "Alle Banken haben sich gegenseitig das Misstrauen ausgesprochen" Plötzlich sollte der scheinbar antiquierte Staat wieder helfen, sagte Lammert und fügte nicht ohne Ironie hinzu: "Nun liegt der Patient auf der Intensivstation und lebt noch. Aber aufstehen will er nicht!" Wieder solle der Staat helfen, sei es im Falle von Opel oder von Karstadt. Doch bei allem Reden über die Krise betonte Lammert auch: Wer die aktuelle Lage für eine Katastrophe halte, habe die wirklichen Katastrophen der jüngeren Geschichte nicht erlebt oder verdrängt.
Erzbischof Minnerath: Orientierung durch die Katholische Sozialethik
Den zentralen Vortrag des Abends hielt der Erzbischof von Dijon, Roland Minnerath. "Wir brauchen heute auf internationaler Ebene einen ähnlichen Konsens, wie wir ihn bei der Einführung der Sozialen Marktwirtschaft hatten", forderte er. Dabei könne die Katholische Sozialethik wichtige Orientierung bieten, aber keine fertigen Modelle. Als ersten Satz dieser Lehre formulierte der Erzbischof: Die Wirtschaftsordnung sollte so formuliert sein, dass alle Menschen von ihrer Arbeit leben können. Zudem sei die menschliche Arbeit für die Soziallehre keine Ware. Eine zentrale Aussage sei auch die Absage an den reinen Liberalismus, der den Markt absolut setze und so den Menschen in den Hintergrund dränge.
Einen aktuellen Bezug zur aktuellen Weltfinanzkrise zitierte Minnerat aus der Enzyklika Pacem im terris von Papst Johannes XXIII. Dieser habe schon damals gefordert, dass es auf allen Ebenen, auf denen das Gemeinwohl berührt wird, auch eine Autorität geben muss. Aktuell bedeute dies, dass in den Bereichen Umweltschutz, Agrarproduktion und Finanzmärkte internationale Autoritäten oder Regelungen gefunden werden müssen.
Der Blick in die BKU-Geschichte
Der BKU-Ehrenvorsitzende Cornelius G. Fetsch fasste die Kernaussage der Katholischen Soziallehre mit den Worten des Gründungs-Geschäftsführers Wilfrid Schreiber prägnant zusammen: "Kernaussage der Katholischen Soziallehre ist der soziale Frieden". Und obwohl der BKU bewusst kein Arbeitgeberverband sei, der Tarifbedingungen aushandelt, führt, führe der doch "gesellschaftliche Tarifverhandlungen" für das Gemeinwohl.
Daran, dass von den 60 Jahren BKU-Geschichte immerhin 20 Jahre in ganz Deutschland stattgefunden haben, erinnerte Dr. Jürgen Kiowski, der im Frühjahr 1990 den BKU-Ost gegründet hat. Mit zupackendem Unternehmergeist hat er in wilden Zeiten diese zweite Gründung geschafft und in den ersten Monaten viel bewegt. Dabei kam Kiowsi zu Gute, dass er als BKU-Vorsitzender nach der Wende in den Beirat des DDR-Wirtschaftsministeriums berufen wurde und so immer Informationen aus erster Hand hatte. Mit Hilfe des West-BKU formulierte der Ost-BKU Papiere zur Wirtschaftsordnung. Und er mischte sich auch mit Chuzpe in die Tagespolitik ein: So gelang es unter anderem, mit Hilfe eines frechen Briefes an die Treuhand, einem alten DDR-Kader den Zuschlag für ein Leipziger Unternehmen zu entreißen und dies einem BKU-Mitglied zukommen zu lassen.
Der Blick nach vorn
Mit dem Blick nach vorn rundete die BKU-Bundesvorsitzende, Marie-Luise Dött, MdB, die Feier ab. Sie gehe davon aus, dass der BKU mit seinen Antworten auf ethische Fragen auch in Zukunft gefragt sein wird. Viele Papier des Bundes - etwa zur Managerhaftung -seien ihrer Zeit voraus gewesen und erst mit Verspätung umgesetzt worden. Zudem seien viele der Antworten, die im BKU gemeinsam formuliert werden, verblüffend einfach - wie etwa die Zehn Gebote für Unternehmer, die seit Jahren zu den gefragtesten Produkten des BKU gehören.

