Rüttgers würdigt 60 Jahre „Bund Katholischer Unternehmer“
Festakt in Bad Honnef
Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) hat den Bund
Katholischer Unternehmer (BKU) zum 60-jährigen Bestehen gewürdigt. Beim Jubiläumsfestakt am Freitag, dem 27. März 2009, in Bad Honnef bei Bonn dankte er dem Verband für „60 Jahre engagierten Einsatz für die Grundsätze der Sozialen Marktwirtschaft“. Er richtete sich an die 1 250 Unternehmer und leitenden Angestellten im BKU mit den Worten: „Sie leben vor, dass es nicht nur auf Profit ankommt. Sie wissen: Es kommt darauf an, Verantwortung zu übernehmen.“
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| Die Redner des BKU-Jubiläums: Prälat Dr. Karl Jüsten (v.li.), Marie-Luise Dött, MdB, Miniterpräsident Dr. Jürgen Rüttgers und Wilhelm Bonse-Geuking. Foto: www.weiss-kommunikation.de |
Orientierung an christlichen Werten
Der CDU-Politiker forderte eine stärkere Orientierung an christlichen Werten. „Wir müssen aufpassen, dass die Krise der Wirtschaft nicht zu einer grundlegenden Krise der Gesellschaft wird.“ Die Einheit der Gesellschaft stehe auf dem Spiel. Doch sie lasse sich bewahren, „wenn wir uns wieder an den christlichen Werten orientieren“. Auch Unternehmer sollten sich für andere einsetzen und Verantwortung sowohl für Betrieb und Mitarbeiter übernehmen, als auch „für die Heimat, in der wir unsere Wurzeln haben und für die Schöpfung, die es für unsere Kindeskinder zu bewahren gilt“, unterstrich der Ministerpräsident.
Dött: Zentrale Botschaft des BKU
Die BKU-Vorsitzende Marie-Luise Dött, MdB, erklärte: „Gerade heute müssen wir daran erinnern, auf welchen Säulen unsere Soziale Marktwirtschaft steht.“ Diese „zentrale wie zeitlose Botschaft“ des BKU sei „hochaktuell“. Dabei müsse der Verband darauf hinweisen, dass der soziale Ausgleich in der Marktwirtschaft marktkonform geschehen müsse. Der Staat solle Rahmenbedingungen setzen, sich aber als wirtschaftlicher Akteur zurückhalten. Bestrebungen, Überkapazitäten in Bereichen wie der Automobilindustrie durch staatliche Eingriffe zu erhalten, nannte Dött „höchst problematisch“. Die Vorsitzende betonte, der BKU habe im 60. Jahr seines Bestehens die höchste Mitgliederzahl seiner Geschichte. In Politik, Kirche, Medien und Verbänden werde sein „ethischer und fachlicher Rat“ immer häufiger nachgefragt.
Jüsten: Die Kirchen bringen sich selbstbewusst ein
Der Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe in Berlin, Prälat Karl Jüsten, begann seinen Festvortrag mit herzlichen Grüßen vom Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. Jüsten beschrieb in seinem Vortrag die Rolle der Kirche in der politischen Meinungsbildung. Denmnach wollen sich die Kirchen gemäß ihrem Selbstverständnis selbstbewusst in die Gestaltung der Gesellschaft einbringen. Um dabei Erfolg zu haben, müssten sie sich auf die „demokratischen Spielregeln“ einlassen und zudem der Versuchung widerstehen, aus Eitelkeit in jedes Mikrofon zu hineinzureden, mahnte der Prälat. Bei zentralen Themen wie dem Lebensschutz sei die Kirche zudem bewusst unbequem.
Bonse-Geuking: Rückbesinnung auf ethische Basis der Sozialen Marktwirtschaft
Der Vorsitzende des RAG-Stiftungsrates, Wilhelm Bonse-Geuking, mahnte, dass die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft abnimmt. „Noch herrscht Ruhe in unserem Land, aber wir wollen uns nicht täuschen lassen; es ist Gefahr im Verzuge“, sagte das BKU-Mitglied. Ein Grund dafür sei die kurzfristige Gewinnmaximierung, die mit dem Shareholder-Value-Gedanken Einzug gehalten habe. „In den Hintergrund rückte, was Wilhelm Röpke als den zentralenAnker der Sozialen Marktwirtschaft bezeichnet hatte: Das Maß der Wirtschaft ist der Mensch; das Maß des Menschen ist sein Verhältnis zu Gott.“
Nach dieser Analyse formulierte Bonse Grundsätze, nach denen die Soziale Marktwirtschaft reaktiviert werden könnte. Und da „vorne geführt wird“, richtete er diese Forderungen an Untenehmer und Manager. Es müsse darum gehen, sich wieder auf die ethischen Grundlagen dieser Wirtschaftsordnung zu besinnen und die Frage aufzugreifen, wie Wohlstand Solidarität wieder in eine vernünftige Balance zu bringen. Weitere zentrale Punkte seien die Bildung und das Bewusstsein, dass Führung auch Vorbild bedeutet.
Der BKU
Der BKU war am 27. März 1949 von Unternehmern im rheinischen Königswinter
gegründet worden, die sich auf Basis der christlichen Soziallehre am Wiederaufbau der Gesellschaftsordnung beteiligen wollten. Er versteht sich als „wertorientierter Unternehmerverband“ und äußert sich regelmäßig zu wirtschafts- und sozialpolitischen Themen wie Wirtschaftskrise, Mindestlohn, Managergehälter oder Sonntagsarbeit.
Text: KNA/Unterberg