Nachhaltigkeit bei Kapitalanlagen
Am 14. April 2010 informierte der BKU Düsseldorf über ein zentrales Zukunftsthema
Warum beschäftigt sich der BKU mit dem Thema Nachhaltigkeit? Mit dieser Frage eröffnete die Vorsitzende der Diözesangruppe Düsseldorf, Maria Fischer, am 14. April ein gemeinsames Forum des BKU und des Bankhauses Vontobel in Düsseldorf über „Nachhaltigkeit bei Kapitalanlagen“.
„Der BKU ist ein Zusammenschluss von Menschen, die ihr Handeln im Lichte der Katholischen Soziallehre reflektieren“, beantwortete Fischer ihre Eingangsfrage. Dazu gehöre der biblische Auftrag, sich die Erde Untertan zu machen - aber nicht, sie zu zerstören. Ihren besonderen Dank sprach sie BKU-Mitglied Mathias Klein von Vontobel aus, der einen Großteil der Vorbereitung für den Tag übernommen hatte.
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| Nachhaltige Informationen in Düsseldorf: Matthias Klein vom Bankhaus Vontobel (v.li.), die DG-Vorsitzende Maria Fischer undProf. Dr. Stephan Paul. |
Deutlicher Zuwachs bei nachhaltiger Anlagen
Die Grundlagen zum Thema vermittelte Prof. Dr. Stephan Paul von der Ruhr-Universität Bochum. Er berichtete, dass die Zahl nachhaltiger Publikumsfonds in Europa in den vergangenen 20 Jahren von 15 auf 680 gestiegen ist. Davon seien 280 in Deutschland angesiedelt und verwalteten ein Anlagevermögen von rund 30 Milliarden Euro. Doch obwohl diese Produkte damit längst aus dem Nischendasein herausgetreten seien, fühlten sich viele potenzielle Anleger zu diesem Thema noch recht schlecht informiert, sagte Paul.
Der Finanzwissenschaftler definierte nachhaltige Kapitalanlagen als Produkte, die neben den konventionellen Kriterien wie Rendite, Risiko und Liquidität noch ethische oder moralische Kriterien erfüllen. Damit ergebe sich der klassische Dreiklang von Ökonomie, Ökologie und Sozialem, der in nachhaltigen Anlagen (Socially Responsible Investment) vereint werden müsse.
Wie Paul weiter erklärte, orientieren sich Anleger, die auf Nachhaltigkeit achten, traditionell an Ausschlusskriterien: Dabei geht es um die Einhaltung von Menschen- und Arbeitsrechten, bestimmte Produkte wie Pornografie, Waffen oder Alkohol oder die Haltung zu Tierversuchen. Der Professor - und auch die anderen Redner des Tages - gehen davon aus, dass diese Kriterien bei Anlageentscheidungen eine steigende Rolle spielen werden. Für die Unternehmen ergibt sich damit die Notwendigkeit, über ihren Umgang mit der Nachhaltigkeit immer offensiver zu berichten. Gerade im Mittelstand sieht Paul hier noch viel Nachholbedarf: Sein Fazit: „Nachhaltigkeit als Schlüsselfaktor der Zukunftsfähigkeit muss auch in der mittelständischen Finanzkommunikation „ankommen“ und von den Banken aktiver eingefordert werden!“
Die Auswahl nachhaltiger Produkte in der Praxis
Wie die Auswahl nachhaltiger Produkte in der Praxis funktioniert, beschrieb die Leiterin Nachhaltigkeit der Bank Vontobel AG in Zürich, Sabine Döbeli. Für sie steht fest, dass dieser Bereich aus der Öko-Nische herausgetreten ist. Bevölkerungswachstum, Klimawandel und Rohstoffknappheit erhöhten den Druck zum Umdenken. „Unternehmen, die hier vorangehen, können profitieren“, glaubt Döbeli. Vontobel setze daher bei der Auswahl seines Anlageuniversums auf Agenturen, die sich auf die Recherche nachhaltiger Unternehmensführung spezialisiert haben und Informationen zur Auswahl zusammentragen. Dabei geht es zunächst um Ausschlusskriterien, in einem zweiten Schritt aber auch um Einschlusskriterien: Hier profitieren Unternehmen, die auf bestimmten Gebieten besonders gut abschneiden: Das können Umwelt und Sicherheitsstandards ebenso sein wie transparente Managementstrukturen oder ein aktiver Dialog mit externen Anspruchsgruppen.
Nachhaltige Hedgefonds?
Dass auch Hedgefonds das Thema Nachhaltigkeit entdeckt haben, berichtete der Chief Investment Officer der Harcourt Investment Consulting AG aus Zürich, Dr. Georg Wessling. Er berichtete von Fonds, die die einschlägigen Auswahlkritierien bereits anwenden. Das gilt auch für den Westdeutschen Rundfunk in Köln, dessen Finanz-Chef Rainer Kampmann, berichtete, wie der Sender seine Finanzreserven anlegt. Auch hier gelten nachhaltige Kriterien, die durch journalistische Besonderheiten ergänzt werden: So lege der WDR etwa kein Geld bei Unternehmen an, „über die wir in besonderer Weise berichten“, betonte er.
Das Beispiel Henkel
Als Unternehmen, das die Nachhaltigkeit als Teil seiner DNA betrachtet, stellte sich die Firma Henkel vor. Ihr Leiter CSR/Sustainable Management, Uwe Bergmann, zeigte am konkreten Beispiel, wie ein Unternehmen diese Herausforderungen positiv aufgreifen kann: So hat Henkel ambitionierte Ziele beschlossen und veröffentlicht, um Energieverbrauch, Arbeitsunfälle und andere Faktoren zu reduzieren. Darüber hinaus werden auch relevante Zulieferer mit ins Boot genommen, um in diesen und anderen Bereichen wie Sozialstandards, Umweltschutz oder Korruption Verbesserungen zu erreichen.
Im Schlusswort erinnerte der Geistliche Berater des Düsseldorfer BKU, Pater Johannes Zabel, OP, an die goldene Regel des Evangeliums: „Was Du von anderen erwartest, das tue auch ihnen!“ Heute gelte es, über diese Forderung hinaus auch den ersten Schritt zu gehen in der Hoffnung, damit eine positive Entwicklung in Ganz zu setzen, meinte Zabel. Der Verlauf des Tages habe zudem gezeigt, dass Nachhaltigkeit und Ertragssteigerung durchaus zusammenpassen.
Peter Unterberg
