Beteiligungsrecht ist Beteiligungspflicht
25. Juni 2010: Minister a.D. Wiesheu bei den Frauenwörther Gesprächen
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| Die Aktiven der Frauenwörther Gespräche: Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates Rosenheim, Adolf Dinglreiter (v.li.), Minister a.D. Dr. Otto Wiesheu, Äbtissin Johanna Meyer OSB, Martin Choroba und Dr. Gunther Bös vom Vorstand der BKU-Diözesangruppe München, der Generalsekretär des Wirtschaftsbeirates, Dr. Jürgen Hofmannund Mitorganisator Dr. Michael Elsen vom BKU. |
Der langjährige bayerische Wirtschaftsminister Dr. Otto Wiesheu war der Redner der Frauenwörther Gespräche am 25. Juni auf der Insel Frauenchiemsee. Der Einladung der bayerischen BKU-Gruppen und des CSU-Wirtschaftsbeirates Bayern folgten rund 150 Teilnehmer.
Mit einer "Steilvorlage" für den Referenten eröffnete Martin Choroba vom Vorstand der BKU-Diözesangruppe München und Freising die Tagung: Er stellte die Frage, ob Ludwig Erhard heute der "Methusalem der Wirtschaft" sei oder der nach wie vor aktuelle Vater der Sozialen Marktwirtschaft.
Aktivierender Sozialstaat
Wiesheu machte in seiner Rede klar, dass er die zweite Antwort für richtig hält. Unter dem programmatischen Titel "Freiheit, Verantwortung, Gerechtigkeit" beschrieb er zentrale Elemente der Erhardschen Wirtschaftsordnung, die bis heute aktuell seien. Zur Freiheit etwa gehöre, dass sich jeder Mensch am Wirtschaftsleben beteiligen darf. "Aber Beteiligungsrecht heißt auch Beteiligungspflicht!", forderte Wiesheu. Folglich sei Umverteilung nur für die Menschen geboten, die sich nicht selbst helfen können. "Wer sich nicht helfen will, dem müssen wir auf die Sprünge helfen. Eine anstrengungslose Beteiligung war von Erhardt nicht gedacht", mahnte er. Der Sozialstaat sei "aktivierend", aber nicht "alimentierend".
Von diesen Grundlagen kam Wiesheu schnell zu aktuellen Themen: Es ärgert ihn, dass die Krise der Finanzwirtschaft mit einer Krise der Sozialen Marktwirtschaft gleichgesetzt wird. Marktwirtschaft brauche Regeln, um zu funktionieren. Die Probleme hätten begonnen, als die Finanzwirtschaft begonnen habe, sich als Industrie zu definieren. Deren Wertschöpfung sei aber rein spekulativ gewesen, kritisierte. Um das in Zukunft zu kanalisieren, forderte der Politiker, auch für spekulative Geschäfte die Eigenkapitalregeln zu verschärfen.
Im Schlusswort rief der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates Rosenheim, Adolf Dinglreiter, die Anwesenden auf, aktiv für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft zu werben - auch wenn das gegen den Zeitgeist ist.
Wirtschaft braucht ein Gewissen
"Wie geht Leben? Wie kann Leben gelingen?" Diese Frage griff Äbtissin Johanna Meyer OSB auf, die als Hausherrin des Inselklosters die Gäste begrüßte. Für sie steht fest, dass die christliche Lebensweise Europa geprägt hat - und dass sie auch heute noch ausreichend Kraft hat, die Gesellschaft zu prägen. Wie notwendig das ist, betonte der der Geistliche Berater des Münchener BKU, Pater Eugen Hillengass, in der Messe: "Wirtschaft braucht, wenn sie funktionieren soll, letztlich das Gewissen der Menschen", sagte er.