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„Leuchtturm oder Kerzenstummel?"

Buchlesung Heinrich Wullhorst über die katholischen Verbände

BKU-Mitglied Heinrich Wullhorst las am 29. Juni 2017 nach einer Messe mit dem Stadtdechanten von Oberhausen, Dr. Peter Fabritz, aus seinem an Pfingsten erschienenen druckfrischen Buch: „Leuchtturm oder Kerzenstummel?" – Die katholischen Verbände in Deutschland“. Auslöser für dieses Buch war die Äußerung des Bischofs von Essen, Franz-Josef Overbeck, im Mai 2016 bei einer Veranstaltung in der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“, dass die katholischen Verbände nicht mehr „aus dieser Zeit“ seien. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Katholikenrats der Stadt Oberhausen, Thomas Gäng, veranstaltete die Diözesangruppe Ruhrgebiet des BKU die Buchlesung in der Propsteikirche St. Clemens.
Foto: privat
Gesellschaft und Kirche befinden sich in einer ähnlichen Umbruchzeit wie in der Gründungsphase der Katholischen Verbände in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Auch die Kirche verändert sich zunehmend. Volkskirchliche Strukturen lösen sich auf, große Verwaltungseinheiten werden in vielen Bistümern auf den Weg gebracht und als Lösungsweg angepriesen. Das bringt bei vielen Katholiken schmerzhafte Verluste von Heimat und Nähe mit sich. Der Fokus auf das enge soziale Umfeld und die Nähe zu den Menschen sind es aber, die gerade Verbände in der Vergangenheit stark gemacht haben. Hier liegen auch ihre Chancen in der Zukunft. Allerdings nur dann, wenn die sie in ihren Zentralen, aber besonders auch auf den unterschiedlichen regionalen und lokalen Ebenen nicht in Selbstgefälligkeit erstarren, sondern profiliert neue Wege gehen.

In „Leuchtturm oder Kerzenstummel“ geht es Wullhorst im Kern um die Frage, was von der früheren Strahlkraft der Katholischen Verbände hinein in die Gesellschaft geblieben ist. Es liegt an ihnen selbst, ob sie Gestalter der zukünftigen Gesellschaft sein wollen, also als Leuchttürme strahlen, oder ob sie sich lediglich als Hüter einer Tradition sehen, die wie eine Kerze im Stummel verglüht. „Verbände haben in dieser Welt auch in der Zukunft noch etwas zu sagen, sie müssen es allerdings profiliert, selbstbewusst und lautstark tun“, ist eine der Schlussfolgerungen im Buch. Denn richtig verstanden und zeitgemäß umgesetzt bleiben die Ideen hinter dem, was Menschen wie Adolph Kolping oder Bischof Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler getan haben, weiter aktuell. Die Herausforderungen heute heißen z.B. Globalisierung einschließlich Flüchtlingsfrage, Digitalisierung, demografischer Wandel, Versorgung mit Infrastruktur für Sicherheit, Bildung, Energie und Verkehr, organisatorische Anpassung der katholischen Kirche angesichts sinkender Zahlen von Mitgliedern und Priestern usw. Es gibt mehr denn je Schnittstellen zwischen unserem christlichen Glauben und der Gestaltung des Alltags in Familie, Beruf und Gesellschaft, geprägt von der Politik in Deutschland, der EU und letztlich in der ganzen Welt. Aktueller denn je ist also die Verantwortung der Christen, die Herausforderungen aus dem christlichen Geist heraus zu gestalten.
Elisabeth Schulte,
Vorsitzende DG Ruhrgebiet

Der Autor:
Heinrich Wullhorst, Jg. 1961, ist Journalist und Kommunikationsberater. Der ehemalige Pressesprecher des Kolpingwerkes Deutschland engagiert sich seit fast vier Jahrzehnten ehrenamtlich in katholischen Verbänden und beobachtet die Veränderungen im katholischen Milieu. In seinem publizistischen Wirken befasst er sich mit Zeitfragen von Kirche und Gesellschaft. Nach dem Erscheinen seines Buches bietet er für Verbände und kirchliche Einrichtungen Autorenlesungen und Workshops zur Zukunftsfähigkeit kirchlicher Organisationen an.


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