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Der Kreuzberger Himmel. Gott und dem Menschen nah.

Gespräche vor Ort

Es war ein Versuch, und er ist geglückt. Die Berliner BKU-Diözesangruppe wollte eine neue Form des Zusammentreffens ausprobieren. Mal kein Vortrag von Politikern oder Wirtschaftsfachleuten in der Katholischen Akademie. Auch kein gegenseitiges Kennenlernen der unternehmerischen Existenzen. „Vor Ort gehen“ war die Devise.
Jugendseelsorger Ulrich Kotzur am 28.10.13 im Kreuzberger Himmel (Foto: Norman Gebauer)
Norman Gebauer, stellvertretender Vorsitzender der Diözesangruppe Berlin des BKU, hatte dafür den „Kreuzberger Himmel“, eine Mischung aus Kieztreff und Restaurant der Gemeinde St. Bonifatius, ausgesucht und Diözesanjugendseelsorger Ulrich Kotzur gebeten, das erst ein Jahr alte Projekt vorzustellen. Der hat das gern übernommen, zumal er zu seinen Initiatoren gehört. In den acht Jahren, in denen er Pfarrer an St. Bonifatius war, hat Gebauer ihn vor allem wegen seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen schätzen gelernt.

Und mit jugendlichem Schwung bestritt Kotzur auch seinen Vortrag. Er skizzierte zunächst ein Modell der Lebenszyklen von Organisationen. Das erinnerte ein wenig an Firmencoaching und Effektivitätsberatung, wohl nicht von ungefähr, sprach er doch vor Unternehmern. Die quittierten seine oft humorvollen Ausführungen nicht selten mit fröhlichem Gelächter, etwa, wenn Kotzur zur Veranschaulichung der antriebsschwachen saturierten Phase einer Organisation mit „Mia san mia“ ins Bayrische verfiel.
In solch einer Phase eben befand sich nach Kotzur St. Bonifatius um die Jahrtausendwende. Man blieb unter sich, die Wirkung nach außen war recht schwach, die Fähigkeit, neue Menschen anzusprechen und zu gewinnen, kaum vorhanden. Das sollte sich ändern. Zu diesem Zweck wurde der gemeindeeigene Laden links der Kirche umgebaut und darin der „Kreuzberger Himmel“ eingerichtet. Eine Einladung an alle Passanten und den Kiez, die angenommen wird. Auch für Gespräche mit den etwa zehn katholischen und evangelischen Pfarrern und Pfarrerinnen, die reihum hier Bier zapfen und die Gäste bedienen.

Für Kotzur entspricht das dem ursprünglichen Auftrag der Kirche, aus Gottes Zuwendung zum Menschen sich den Mitmenschen zu widmen. So ist der Himmel über Kreuzberg gewissermaßen auf die Erde des Kiezes gekommen, wie es die Deckengestaltung mit Himmelsblau und weißen Wolken im „Kreuzberger Himmel“ andeutet.

Die 37 Gäste, etwa die Hälfte der Berliner BKUler und ein paar interessierte Gäste, fühlten sich darunter bei gutem Essen und gutem Bier sehr wohl an diesem Abend. Für Gebauer war deutlich, das ruft nach Wiederholung. Und Kotzur merkte lächelnd an: „Es war ein guter Start.“ 

Gunnar Lammert-Türk, Redakteur für die SonntagsZeitung






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